Stillprobleme

Stillprobleme sind häufig, und sie sind fast immer lösbar. Die vier, die uns am öftesten begegnen, hängen zusammen: Aus wunden Brustwarzen wird leicht ein Milchstau, aus einem unbehandelten Milchstau eine Brustentzündung. Wer früh gegensteuert, verhindert meist das Nächste. Auf dieser Seite steht, woran Sie die vier erkennen und was jeweils hilft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die häufigste Ursache ist die Anlegetechnik – nicht zu wenig Milch und nicht die Anatomie.
  • Weiterstillen ist fast immer richtig, auch bei Entzündung und auch bei Soor.
  • Die Brust muss entleert werden. Das ist bei Milchstau und Mastitis die wichtigste Maßnahme.
  • Fieber über 38,4 °C und ein schlechter Allgemeinzustand sprechen für eine Brustentzündung – dann bitte rasch abklären lassen.
  • Bessert sich eine Brustentzündung nach ein bis zwei Tagen nicht, braucht es meist ein Antibiotikum.
  • Bei Soor müssen Mutter und Kind gleichzeitig behandelt werden – sonst stecken sie sich gegenseitig wieder an.

Wunde Brustwarzen

Wunde Brustwarzen – medizinisch wunde Mamillen – gehören zu den häufigsten Stillproblemen. Eine etwas erhöhte Empfindlichkeit in den ersten Tagen ist normal. Bei guter Anlegetechnik und Pflege gehen die Beschwerden meist rasch vorüber. Wenn nicht, lohnt der Blick auf die Ursache.

Woran es liegen kann

  • Fehler beim Anlegen – nach wie vor die häufigste Ursache
  • zu wenig Brustgewebe im Mund, das Kind saugt nur an der Brustwarze – häufig bei starker Brustschwellung während des Milcheinschusses
  • starke Kompression der Kiefer, ohne dass das Gewebe entlastet wird und die Milch fließt
  • schlechte Durchblutung oder mangelnde Elastizität der Brustwarze
  • ein zu kurzes Zungen- oder Lippenbändchen beim Kind, besondere Gaumenformen
  • mangelnde Handhygiene, feuchte Stilleinlagen, Stauwärme
  • falscher Gebrauch einer Milchpumpe, etwa eine unpassende Trichtergröße
  • falsche Verwendung von Stillhütchen
  • eine Pilzinfektion mit Candida albicans – siehe Brustsoor

Was hilft

Zuerst die Anlegetechnik. Kennzeichen eines guten Anlegens: Der Mund des Kindes ist weit geöffnet, es erfasst viel Brustgewebe, die Nase liegt dicht an der Brust, die Lippen sind nach außen gestülpt. Führen Sie den Kopf des Babys an die Brust heran, nicht die Brust zum Kind.

Beim Ablösen entsteht im Mund ein Vakuum – lösen Sie es vorsichtig mit einem Finger zwischen Brust und Mundwinkel, statt das Kind einfach wegzuziehen. Ein abruptes Lösen ist eine eigene Ursache für wunde Brustwarzen. Lassen Sie die Brustwarzen nach dem Stillen an der Luft trocknen und wechseln Sie die Stillposition.

Milchstau

Ein Milchstau entsteht, wenn die Milch zu selten oder nicht vollständig aus der Brust entfernt wird. Das kann in jeder Phase der Stillzeit passieren, nicht nur am Anfang.

Woran es liegen kann

  • zu viel Stress und Müdigkeit
  • mangelnde Entleerung der Brust
  • ineffektives Saugen oder eine unpassende Anlegetechnik
  • zu starke Milchbildung
  • ein gestörter Milchspendereflex durch Stress, Erschöpfung oder Schmerzen
  • mechanische Ursachen, etwa ein zu enger BH
  • Verletzungen

Woran Sie ihn erkennen

  • druckempfindliche Brust, eventuell tastbare Knötchen
  • harte, feste Brust
  • umschriebene oder diffuse Rötung, Überwärmung
  • mangelnder Milchfluss
  • das Kind bekommt zu wenig – erkennbar an Unruhe oder Schläfrigkeit, unzureichender Gewichtszunahme, weniger nasse Windeln

Der Unterschied zur Brustentzündung. Beim reinen Milchstau bleiben die Beschwerden auf die Brust begrenzt: örtliche Schmerzen und Verhärtungen, aber kein Fieber und kein beeinträchtigtes Allgemeinbefinden. Kommen Fieber, Schüttelfrost und Gliederschmerzen dazu, sprechen wir von einer Brustentzündung.

Was hilft

Entleeren, entleeren, entleeren. Legen Sie das Kind häufig an und beginnen Sie mit der betroffenen Brust. Wenn das Anlegen zu schmerzhaft ist, streichen Sie die Brust vorsichtig aus oder pumpen Sie ab. Eine kurze Wärmeanwendung vor dem Stillen erleichtert den Milchfluss, kühlende Auflagen zwischen den Mahlzeiten – etwa Topfenwickel – lindern die Beschwerden. Dazu so viel Ruhe wie möglich und weniger Alltagsstress.

Brustentzündung (Mastitis)

Eine Brustentzündung in der Stillzeit wird meist durch das Bakterium Staphylococcus aureus ausgelöst, seltener durch Streptokokken. Die Keime gelangen über den Nasen-Rachen-Raum von Mutter und Kind auf die Brustwarze und von dort entweder über kleinste Hauteinrisse ins Bindegewebe oder über die Milchgänge ins Drüsengewebe. Auch ein unbehandelter Milchstau begünstigt sie.

Woran es liegen kann

  • ein vorangegangener Milchstau
  • wunde Brustwarzen als Eintrittspforte für Bakterien
  • eine verstärkte Brustdrüsenschwellung
  • Schmerzen in der Brust
  • Müdigkeit und Stress der Mutter
  • mangelnde Hygiene

Woran Sie sie erkennen

  • starke Schwellung, harte Brust
  • ein scharf begrenztes gerötetes Gebiet, meist ein ganzer Drüsenlappen
  • geschwollene, schmerzhafte Lymphknoten in der Achselhöhle
  • grippeähnliche Beschwerden mit Kopf- und Gliederschmerzen
  • starke Schmerzen und deutlich beeinträchtigtes Allgemeinbefinden
  • meist rascher Temperaturanstieg über 38,4 °C, bis zu 40 °C, gelegentlich mit Schüttelfrost

Eine Brustentzündung gehört ärztlich angesehen. Sie sollte nie ohne ärztliche Untersuchung oder ohne Hebamme behandelt werden – vor allem, um die Bildung eines Abszesses zu verhindern. Bessern sich die Beschwerden nicht innerhalb von ein bis zwei Tagen, ist meist ein Antibiotikum nötig. Erste Ansprechstelle ist Ihre Hebamme oder die Frauenärztin beziehungsweise der Frauenarzt.

Was hilft

Auch hier gilt: weiterstillen, wenn es irgendwie geht. Die konsequente Entleerung der Brust ist die wichtigste Maßnahme. Ist das Anlegen nicht möglich, streichen Sie aus oder pumpen Sie ab – vollständig. Kurze Wärme vor dem Stillen, Kühlung zwischen den Mahlzeiten, Bettruhe soweit machbar.

Gegen Schmerzen und Fieber kommen Paracetamol oder Ibuprofen in Frage; beide gehen nur in geringen Mengen in die Muttermilch über und sind nach ärztlicher Rücksprache kurzfristig möglich. Bei ausgeprägten Entzündungen wird ein stillfreundliches Antibiotikum gegeben, bei einem Abszess kann ein Eingriff nötig werden.

Die Milch aus der entzündeten Brust ist für das Baby im Allgemeinen nicht gefährlich. Sie kann aber im Geschmack verändert sein und wird dann manchmal verweigert – in dem Fall geben Sie die andere Brust und pumpen die betroffene ab.

Brustsoor

Brustsoor ist eine Pilzinfektion mit Candida albicans. Sie wird häufig unterschätzt und bereitet den betroffenen Frauen große Beschwerden – typisch sind brennende, stechende Schmerzen, die auch zwischen den Stillmahlzeiten anhalten.

Was sie begünstigt

  • Müdigkeit, Stress, geschwächte Abwehr
  • eine vorangegangene Behandlung mit Antibiotika, Verhütungsmitteln oder Steroiden
  • wunde Brustwarzen in feucht-warmem Klima
  • Diabetes mellitus
  • Neigung zu ekzematöser Haut, andere Hauterkrankungen
  • fehlende oder übertriebene Hygiene
  • einseitige, stark zucker- und stärkehaltige Ernährung, Vitaminmangel
  • Ansteckung über das Kind

Mutter und Kind müssen gleichzeitig behandelt werden – und zwar sofort. Wird nur eine Seite behandelt, stecken sich beide immer wieder gegenseitig an.

Was hilft

Das Stillen kann ohne Einschränkung weitergehen, sowohl während einer örtlichen als auch während einer inneren Behandlung. Ist es zu schmerzhaft, kann die Milch abgepumpt und sofort verwendet werden.

Was während einer Soorinfektion nicht sinnvoll ist: Milch aufzubewahren oder einzufrieren. Bei späterer Verwendung droht eine erneute Ansteckung.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Rasch abklären lassen bei Fieber über 38,4 °C, Schüttelfrost, einem scharf begrenzten geröteten Bezirk der Brust, deutlich beeinträchtigtem Allgemeinbefinden – und immer dann, wenn sich eine Brustentzündung nach ein bis zwei Tagen nicht bessert. Für die Abklärung und Behandlung einer Brustentzündung ist die Gynäkologin oder der Gynäkologe zuständig, bei Stillproblemen allgemein sind Hebammen und Stillberaterinnen die ersten Ansprechpartnerinnen.

Kommen Sie mit Ihrem Kind zu uns, wenn es zu wenig zunimmt, auffällig unruhig oder schläfrig ist oder deutlich weniger nasse Windeln hat. Das sind Zeichen dafür, dass beim Stillen etwas nicht rundläuft – und das sehen wir uns gemeinsam an. Wie ein kurzfristiger Termin bei uns abläuft, steht unter Akuttermin.

Wie sich Stillprobleme vermeiden lassen

Der wirksamste Schutz ist eine gute Stillposition und -technik. Dafür brauchen Mutter und Kind vor allem zweierlei: Zeit und eine ruhige Umgebung. Daran scheitert es im Alltag öfter als an allem anderen.

  • Die Brust gut leer trinken lassen, bei Bedarf ausstreichen
  • Stillpositionen wechseln – Wiegehaltung, Stillen im Liegen und weitere
  • Beide Brüste anbieten und jeweils mit der beginnen, an der das Kind zuletzt getrunken hat – so wird die Milchbildung gleichmäßig angeregt
  • Brustwarzen nach dem Stillen an der Luft trocknen lassen

Anatomische Besonderheiten – Flach- oder Hohlwarzen bei der Mutter, Gaumenbesonderheiten oder eine Fehllage der Zunge beim Kind – können die Anlege- und Saugtechnik beeinflussen. Das heißt nicht, dass Stillen nicht geht; es heißt, dass es Unterstützung braucht.

Wer weiterhilft

Wir sagen es offen: Eine eigene Stillberatung bieten wir nicht an. Stillfragen beantworten wir beim Termin, und wenn beim Kind etwas auffällt, sehen wir es uns an. Für eine ausführliche Begleitung beim Stillen sind andere zuständig, und zwar besser:

  • Ihre Hebamme – erste Ansprechpartnerin bei Stillproblemen im Wochenbett
  • Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC – international zertifiziert, Einzelberatung oder Stillgruppen, zu finden über den Verband der Still- und Laktationsberaterinnen Österreichs
  • La Leche Liga Österreich – Beraterinnen und Stillgruppen in ganz Österreich
  • Ihre Frauenärztin oder Ihr Frauenarzt – für die Abklärung und Behandlung einer Brustentzündung

Häufige Fragen

Darf ich bei einer Brustentzündung weiterstillen?

Ja, und es ist sogar wichtig. Die konsequente Entleerung der Brust ist die entscheidende Maßnahme gegen die Entzündung. Ist das Anlegen zu schmerzhaft, streichen Sie die Brust aus oder pumpen Sie ab – vollständig. Die Milch ist für das Baby im Allgemeinen nicht gefährlich, kann aber im Geschmack verändert sein.

Woran erkenne ich, ob es ein Milchstau oder schon eine Entzündung ist?

Am Allgemeinbefinden. Beim Milchstau bleiben die Beschwerden auf die Brust begrenzt: örtliche Schmerzen, Verhärtungen, kein Fieber. Bei einer Brustentzündung kommen ein rascher Temperaturanstieg über 38,4 °C, Schüttelfrost und grippeähnliche Beschwerden dazu, und ein scharf begrenzter Bezirk der Brust ist gerötet.

Wann brauche ich ein Antibiotikum?

Wenn sich eine Brustentzündung nicht innerhalb von ein bis zwei Tagen bessert, ist in den meisten Fällen eine antibiotische Behandlung nötig. Gewählt wird dann ein stillfreundliches Präparat – weiterstillen ist dabei möglich. Das entscheidet die Ärztin oder der Arzt nach der Untersuchung, nicht das Bauchgefühl.

Mein Kind und ich haben Soor – muss ich abstillen?

Nein. Das Stillen kann während einer örtlichen wie einer inneren Behandlung ohne Einschränkung weitergehen. Wichtig ist, dass Mutter und Kind gleichzeitig behandelt werden. Abgepumpte Milch sollte während einer Soorinfektion sofort verwendet und nicht aufbewahrt oder eingefroren werden.

Ich habe wunde Brustwarzen – hilft ein Stillhütchen?

Manchmal, aber es ist selten die erste Antwort. Wunde Brustwarzen entstehen in den meisten Fällen durch die Anlegetechnik, und ein Stillhütchen ändert daran nichts – falsch verwendet ist es sogar selbst eine Ursache. Sinnvoller ist, das Anlegen anzusehen: weit geöffneter Mund, viel Brustgewebe, Nase dicht an der Brust, Lippen nach außen gestülpt.

Ich habe zu wenig Milch – oder?

Meist ist das Gefühl stärker als der Befund. Ob Ihr Kind genug bekommt, zeigen Gewichtsentwicklung und nasse Windeln, nicht das Gefühl in der Brust. Wenn Sie unsicher sind, wiegen wir Ihr Kind und sehen uns die Kurve an – das ist schnell gemacht und nimmt oft die Sorge.

Rund ums Stillen finden Sie außerdem Seiten zum Milcheinschuss und zu den Hungerzeichen Ihres Babys. Termine vereinbaren Sie über die Online-Terminvereinbarung, wer bei uns Kinder betreut, sehen Sie unter Kinderarzt.

Quellen

Zuletzt aktualisiert: September 2026