Dysphagie
Eine Dysphagie ist eine Störung des Schluckens: Der Transport von fester und flüssiger Nahrung vom Mund in den Magen funktioniert nicht richtig. Bei Kindern zeigt sich das oft im Alltag, bevor jemand einen Namen dafür hat – ein Baby, das beim Trinken hustet, ein Kind, das bestimmte Konsistenzen verweigert oder nicht recht zunimmt. Auch das Abschlucken von Speichel kann betroffen sein.
Das Wichtigste in Kürze
- Husten beim oder nach dem Trinken ist das häufigste Zeichen, das Eltern auffällt.
- Die Hauptgefahr ist das Verschlucken in die Luftröhre – daraus kann eine Lungenentzündung entstehen.
- Wiederholte Lungenentzündungen ohne andere Erklärung sind ein Warnzeichen.
- Am Anfang steht eine HNO-Untersuchung, danach gegebenenfalls die logopädische Therapie.
- Vieles lässt sich gut behandeln – oft schon mit veränderter Haltung und angepasster Konsistenz.
Woran Sie eine Dysphagie bemerken könnten
Die Symptome zeigen sich sehr unterschiedlich. Vier Fragen, bei denen Sie hellhörig werden sollten:
- Hustet Ihr Kind häufig während oder nach dem Trinken?
- Nimmt Ihr Kind nicht ausreichend zu?
- Verweigert Ihr Kind bestimmte Nahrungsmittel?
- Hat Ihr Kind häufige Lungenentzündungen?
Wenn Sie eine davon mit Ja beantworten – besonders die letzte –, lohnt eine Abklärung.
Warum wiederholte Lungenentzündungen der ernsteste Hinweis sind. Die größte Gefahr bei einer Dysphagie besteht darin, dass Nahrung oder Flüssigkeit ganz oder teilweise in die Luftröhre und die Bronchien gerät statt in die Speiseröhre – das nennt man Aspiration. Daraus kann eine Lungenentzündung entstehen, die lebensbedrohlich verlaufen kann. Gerät wiederholt etwas in die falsche Richtung, häufen sich die Entzündungen.
Woher eine Dysphagie bei Kindern kommt
Bei Kindern tritt sie häufig als Begleiterscheinung einer Grunderkrankung auf:
- frühkindliche Hirnschädigungen
- angeborene Fehlbildungen, etwa Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten
- andere Grunderkrankungen, zum Beispiel das Down-Syndrom
Bei Erwachsenen stehen andere Auslöser im Vordergrund – etwa neurologische Schädigungen nach einem Schädel-Hirn-Trauma, fortschreitende neurologische Erkrankungen oder Krebserkrankungen im Kopf-Hals-Bereich. Für Kinder spielen diese Ursachen kaum eine Rolle, sie erklären aber, warum die Dysphagie in der Erwachsenenmedizin ein so großes Thema ist.
Das Schlucken läuft in vier Phasen ab – vom Vorbereiten im Mund über den bewussten Transport nach hinten, den Weg durch den Rachen bis zur Speiseröhre. Eine Dysphagie kann jede dieser Phasen betreffen, und davon hängt ab, was in der Therapie geübt wird. Welche Phase es ist, zeigt die Untersuchung.
Wie abgeklärt wird
Um den Verdacht auf eine Dysphagie zu bestätigen, ist eine Untersuchung in unserer Kinder-HNO-Ordination nötig. Dort lassen sich Rachen und Kehlkopf direkt ansehen. Nach der Diagnostik kann die logopädische Therapie, falls nötig, ebenfalls in der Kinderarztpraxis Schumanngasse erfolgen – Sie brauchen dafür keine zweite Adresse.
Wie behandelt wird
Um eine Dysphagie in ihrer Ausprägung zu verringern, ist in vielen Fällen eine logopädische Therapie erforderlich. Gearbeitet wird mit zwei Arten von Maßnahmen:
- Kompensatorische Maßnahmen – sie umgehen das Problem, statt es zu üben: eine veränderte Körperhaltung bei der Nahrungsaufnahme oder das Eindicken von Speisen mit einem Eindickungsmittel, damit sie langsamer fließen.
- Spezifische Übungstherapie – sie arbeitet an der Funktion selbst.
Beides zielt darauf ab, die Aspiration zu verhindern.
Und wenn Essen über den Mund gar nicht möglich ist? Bei einer besonders stark ausgeprägten Dysphagie lässt sich die Ernährung über eine Magensonde sicherstellen. Das ist in den allermeisten Fällen kein Dauerzustand: Häufig kann die Sonde nach einer erfolgreich durchgeführten logopädischen Therapie wieder entfernt werden.
Häufige Fragen
Mein Baby hustet beim Trinken. Ist das schon eine Dysphagie?
Nicht unbedingt – gelegentliches Verschlucken kommt vor. Wenn Ihr Kind aber häufig während oder nach dem Trinken hustet, nicht ausreichend zunimmt, bestimmte Nahrungsmittel verweigert oder wiederholt Lungenentzündungen hat, sollte das abgeklärt werden.
Was ist eine Aspiration?
Wenn feste oder flüssige Nahrung ganz oder teilweise durch versehentliches Verschlucken in die Luftröhre und die Bronchien gerät statt in die Speiseröhre. Daraus kann eine Lungenentzündung entstehen, die lebensbedrohlich verlaufen kann – deshalb ist die Vermeidung der Aspiration das zentrale Ziel der Therapie.
Wohin wende ich mich bei Verdacht auf eine Schluckstörung?
Am Anfang steht eine Untersuchung in unserer Kinder-HNO-Ordination, weil sich dort Rachen und Kehlkopf direkt beurteilen lassen. Nach der Diagnostik kann die logopädische Therapie, falls nötig, ebenfalls in der Kinderarztpraxis Schumanngasse erfolgen.
Muss mein Kind dauerhaft eine Magensonde behalten?
Meist nicht. Eine Sonde stellt die Ernährung sicher, wenn das Essen über den Mund nicht möglich ist. Häufig kann sie nach einer erfolgreich durchgeführten logopädischen Therapie wieder entfernt werden.
Einen Überblick über das Fach gibt Logopädie, Ablauf und Kosten stehen unter Logopädische Diagnostik und Therapie. Zur HNO-Abklärung führt die Kinder-HNO-Ordination weiter. Termine über die Online-Terminvereinbarung.
Zuletzt aktualisiert: September 2026