Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis, eine Entzündung von Hirnhäuten und Gehirn, die durch den Stich einer Zecke übertragen wird. Österreich gehört zu den am stärksten betroffenen Ländern Mitteleuropas, und kein Bundesland gilt als frei davon. Diese Seite erklärt, was nach einem Zeckenstich passieren kann, wie man eine Zecke richtig entfernt und wann Sie mit Ihrem Kind zu uns in die Kinderarztpraxis Schumanngasse in Wien 1170 kommen sollten.
Das Wichtigste in Kürze
- Nicht jeder Stich macht krank. Selbst in Gebieten mit vielen infizierten Zecken trägt selten mehr als eine von 200 das Virus.
- Etwa neun von zehn Infektionen verlaufen ohne Beschwerden.
- Es gibt keine Behandlung der Ursache. Ist das Virus im Körper, lassen sich nur die Beschwerden lindern.
- Häufiger Zeckenbefall schützt nicht. Wer oft gestochen wird, baut dadurch keine Abwehr auf.
- Die Zeckenimpfung schützt nicht vor Borreliose – dafür lässt sich die mit Antibiotika behandeln.
Wie FSME übertragen wird
Überträger ist der Gemeine Holzbock, eine heimische Zeckenart. Beim Stich gelangt das Virus über den Speichel direkt in die Wunde. Seltener kann eine Übertragung auch über rohe Milch infizierter Tiere erfolgen.
Zecken sind vom Frühjahr bis in den Spätherbst aktiv, am stärksten in den warmen Sommermonaten. Sie sitzen nicht nur im Wald, sondern auch in Gärten, Parks und auf Wiesen. In Höhenlagen über etwa 1.000 bis 1.400 Metern kommt FSME nicht vor – dort ist es dem Virus zu kalt.
Wie die Erkrankung verläuft
Zwischen drei und 28 Tagen nach dem Stich, im Mittel nach acht Tagen, kann eine erste Krankheitsphase beginnen: grippeähnliche Beschwerden mit Erbrechen, Schwindelgefühl und mäßigem Fieber. Sie klingt meist nach wenigen Tagen wieder ab.
Bei etwa einem Drittel der Infizierten folgt nach einer beschwerdefreien Woche eine zweite, deutlich schwerere Phase. Dann ist das Nervensystem betroffen: hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Lichtscheu, Schwindel sowie Konzentrations- und Gehstörungen, die Wochen oder Monate anhalten können.
Wann Sie nicht abwarten sollten. Hohes Fieber mit starken Kopfschmerzen und einem steifen Nacken – besonders in den Wochen nach einem Zeckenstich – gehört immer ärztlich abgeklärt. Rufen Sie uns an, oder wenden Sie sich außerhalb unserer Zeiten an die nächste Kinderabteilung.
Bei etwa einem Drittel der Betroffenen mit Beteiligung des Nervensystems kommt es zu Lähmungen an Armen, Beinen oder im Gesicht, und es bleiben Behinderungen zurück. Rund ein Prozent der Fälle mit neurologischen Zeichen endet tödlich.
Was danach bleiben kann
Auch wenn die schweren Krankheitszeichen abklingen, kann die Erholung lange dauern. In Österreich behält ein Teil der schwer erkrankten Personen eine dauerhafte Beeinträchtigung zurück – etwa starke Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, Störungen des autonomen Nervensystems oder Schwerhörigkeit. Restlähmungen sind seltener, kommen aber vor.
Wer eine FSME durchgemacht hat, ist danach lebenslang immun.
Wie eine Zecke richtig entfernt wird
Entscheidend ist, rasch zu handeln. Das FSME-Virus sitzt in den Speicheldrüsen der Zecke und wird bereits mit dem Stich übertragen – anders als Borrelien, die zunächst im Mitteldarm bleiben. Schnelles Entfernen hilft also vor allem gegen Borreliose.
- Mit einer feinen Pinzette, einer Zeckenzange oder einer Zeckenkarte dicht über der Haut ansetzen.
- Die Zecke vorsichtig und gerade herausziehen oder heraushebeln, ohne sie zu quetschen.
- Die Einstichstelle anschließend desinfizieren.
Bitte keine Hausmittel. Öl, Klebstoff, Nagellack oder das Abbrennen der Zecke schaden mehr, als sie nützen: Die Zecke kann im Todeskampf erst recht Erreger in die Wunde abgeben. Auch Quetschen beim Herausziehen ist schädlich.
Wenn Sie sich unsicher sind, kommen Sie damit zu uns – das ist in wenigen Augenblicken erledigt.
Häufige Fragen
Der Kopf der Zecke ist stecken geblieben – was tun?
In der Regel nichts. Der Rest wird nach einigen Tagen von selbst abgestoßen. Entzündet sich die Stelle, desinfizieren Sie sie und lassen Sie sie bei uns ansehen.
Muss ich nach jedem Zeckenstich zum Arzt?
Nein. Beobachten Sie die Einstichstelle in den folgenden Wochen. Zum Arzt gehört sie, wenn sich ein größer werdender roter Ring bildet, die Stelle sich entzündet oder Ihr Kind Fieber und Kopfschmerzen bekommt.
Kann man FSME behandeln?
Die Ursache nicht. Es gibt kein Medikament gegen das Virus – behandelt werden können nur die Beschwerden. Das ist der Grund, warum der Impfung hier so viel Gewicht zukommt.
Wie oft ist eine Zecke überhaupt infiziert?
Selten. Auch in Gebieten mit hoher Durchseuchung trägt meist weniger als eine von 200 Zecken das Virus. Wer infiziert gestochen wird, erkrankt in etwa neun von zehn Fällen trotzdem nicht.
Wie und wann gegen FSME geimpft wird, was die Impfung kostet und welche Impfreaktionen möglich sind, steht unter FSME-Impfung für Kinder. Einen Termin bei uns vereinbaren Sie über die Kinderarztordination.
Quellen
- Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), Sozialministerium, Infektionskrankheiten A–Z
- Impfplan Österreich, Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz
Zuletzt aktualisiert: September 2026