Impfen - Allgemeine Informationen
Impfungen gehören – neben sauberem Trinkwasser – zu den Maßnahmen, die weltweit am meisten zum Rückgang der Sterblichkeit beigetragen haben. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle Impfungen für Kinder und Jugendliche, dazu ausführliche Antworten auf die Fragen, die uns Eltern am häufigsten stellen. Jede einzelne Impfung hat bei uns eine eigene Seite – von dieser Übersicht aus kommen Sie direkt hin.
Das Wichtigste in Kürze
- Bei den meisten Impfungen im Kindesalter ist der Impfstoff kostenfrei – über das Impfprogramm von Bund, Ländern und Sozialversicherung. Für den Termin gilt das übliche Ordinationshonorar.
- Der erste Termin liegt früh: ab der vollendeten 6. Lebenswoche.
- Mehrere Impfungen am selben Tag sind kein Problem und sparen Termine und Stiche.
- Versäumtes lässt sich fast immer nachholen – mit einer Ausnahme, der Rotavirus-Schluckimpfung.
- Wir haben die Impfstoffe im Haus. Sie müssen nichts vorher besorgen.
Alle Impfungen für Kinder im Überblick
Im ersten Lebensjahr
Hier liegt der Schwerpunkt: In den ersten zwölf Monaten sind Kinder am empfänglichsten für schwere Verläufe.
Ab dem ersten Geburtstag
Zwei Impfungen, die nicht im kostenfreien Programm enthalten sind – empfohlen sind sie trotzdem.
Im Schul- und Jugendalter
In diesem Alter stehen zwei Dinge an: die HPV-Impfung und die Auffrischungen. Die zweite Meningokokken-Impfung gegen A, C, W und Y ist vom vollendeten 10. bis zum vollendeten 13. Lebensjahr kostenfrei.
Mehr zu einzelnen Krankheiten
Seiten zu Erkrankungen, bei denen es entweder keine Impfung gibt oder die Krankheit selbst die häufigere Frage ist.
Was das kostenfreie Impfprogramm abdeckt
Bund, Länder und Sozialversicherung stellen die wichtigsten Impfungen des Kindes- und Jugendalters kostenfrei zur Verfügung. Kostenfrei heißt: Der Impfstoff kostet nichts. Welche Impfung wann dazugehört, hängt vom Alter ab – bei manchen endet der kostenfreie Zeitraum mit einem bestimmten Geburtstag. Die Karten oben zeigen es je Impfung, die Einzelseiten erklären es im Detail.
Für die ärztliche Leistung fällt nichts zusätzlich an. Ein Impftermin ist bei uns ein gewöhnlicher Ordinationstermin – es gilt das Honorar der Kinderarztordination, unabhängig davon, wie viele Impfungen an diesem Tag verabreicht werden.
Nicht enthalten sind unter anderem die Windpocken-Impfung, die FSME-Impfung und die Meningokokken-B-Impfung. Empfohlen sind sie dennoch – der Unterschied liegt in der Finanzierung, nicht in der Bedeutung. Alle drei haben wir im Haus, Sie müssen nichts vorher besorgen.
Welche Impfreaktionen möglich sind
Eine Impfreaktion ist ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem arbeitet. Die allermeisten klingen von selbst wieder ab. Welche auftreten können, hängt davon ab, ob es sich um einen Tot- oder einen Lebendimpfstoff handelt:
| Impfstoffart | Was auftreten kann |
|---|---|
| Totimpfstoffe |
|
| Lebendimpfstoffe |
|
Die Angaben zu den äußerst seltenen Reaktionen nach Lebendimpfstoffen stammen aus einer Zusammenstellung, die auch die Schluckimpfung gegen Kinderlähmung und die Gelbfieberimpfung umfasst. Die Schluckimpfung gegen Polio wird in Österreich seit Langem nicht mehr verwendet – hier wird ausschließlich mit einem Totimpfstoff geimpft, der Bestandteil der Sechsfach-Impfung ist. Gelbfieber ist eine Reiseimpfung und kommt im Kinderimpfprogramm nicht vor.
Wann Sie uns anrufen sollten. Bei hohem Fieber, einer ungewöhnlich starken Schwellung, einem Ausschlag, der sich rasch ausbreitet, oder wenn Ihr Kind auffällig schlapp wirkt. Auch dann, wenn Sie einfach unsicher sind – dafür sind wir da.
Warum Impfen anders wahrgenommen wird als Behandeln
Eine Impfung unterscheidet sich in einem Punkt grundlegend von jeder anderen medizinischen Maßnahme: Sie wird an einem gesunden Kind vorgenommen. Der Nutzen besteht darin, dass etwas nicht passiert – und das bleibt naturgemäß unsichtbar. Die Impfreaktion dagegen ist da, sie ist heute Abend da, und sie betrifft ein Kind, dem es vorher gut ging. Dass die Bereitschaft, ein Risiko einzugehen, in dieser Situation gering ist, ist verständlich.
Dazu kommt ein zweiter Effekt. Impfkampagnen waren so erfolgreich, dass die Krankheiten selbst aus dem Alltag verschwunden sind. Kaum jemand hat noch ein Kind mit Keuchhusten husten gehört oder eine Masernenzephalitis miterlebt. Was man nicht kennt, schätzt man als weniger gefährlich ein – und so verschiebt sich die Aufmerksamkeit von der Erkrankung auf die Impfung. Das ist keine Nachlässigkeit, sondern eine ganz normale Folge davon, dass es funktioniert hat.
Fragen sind willkommen. Wir halten es für sinnvoll, die häufigsten Sorgen nicht abzutun, sondern sie durchzugehen – mit dem, was die Forschung dazu tatsächlich hergibt. Wenn Sie etwas gelesen haben, das Sie beunruhigt, bringen Sie es zum Termin mit. Es ist besser, darüber zu sprechen, als eine Impfung im Zweifel ausfallen zu lassen.
Die häufigsten Sorgen – und was die Forschung dazu sagt
Autismus
Das ist die Sorge, die uns am häufigsten begegnet. Ihr Ursprung ist eine Arbeit von Andrew Wakefield, 1998 im Lancet veröffentlicht. Sie beruhte auf zwölf Kindern, hatte keine Kontrollgruppe und vermutete einen Zusammenhang zwischen der Masern-Mumps-Röteln-Impfung und Autismus. Der Lancet hat die Arbeit 2010 zurückgezogen, nachdem sich herausgestellt hatte, dass es sich um eine vorsätzliche Fälschung handelte.
Was danach kam, ist der eigentliche Punkt: eine ganze Reihe sorgfältig angelegter Untersuchungen an sehr großen Bevölkerungsgruppen. Keine davon fand einen Zusammenhang – weder zwischen der MMR-Impfung und Autismus noch zwischen Impfungen allgemein und anderen Entwicklungsstörungen.
Der Schaden blieb trotzdem. In Großbritannien fiel die Masern-Durchimpfungsrate von 92 Prozent in den Jahren 1995/96 auf 80 Prozent im Jahr 2004. Der vermutete Zusammenhang wird bis heute zitiert.
Multiple Sklerose
Zwei große Untersuchungen schließen einen Zusammenhang zwischen der Hepatitis-B-Impfung und multipler Sklerose aus, ebenso zwischen einer Reihe weiterer Impfungen und MS. Für die FSME-Impfung wurde eigens geprüft, ob sie bei Menschen mit bestehender MS etwas auslöst: weder im MRT sichtbare Krankheitsaktivität noch einen Schub noch ein Fortschreiten der Erkrankung.
Guillain-Barré-Syndrom
Auch hier wurde ein Zusammenhang vermutet und untersucht. Er ließ sich weder für die Meningokokken-Konjugatimpfung noch für die übrigen Routineimpfungen bestätigen.
Plötzlicher Kindstod
Zwischen Impfungen und dem plötzlichen Kindstod besteht kein Zusammenhang. Mehrere Untersuchungen deuten sogar in die andere Richtung: Geimpfte Säuglinge sind seltener betroffen.
Allergien und Asthma
Die Überlegung dahinter: Wenn Impfungen das Immunsystem entlasten, könnte es sich stattdessen gegen Harmloses richten. Untersucht wurde das vielfach – für Asthma, für Neurodermitis, für allergische Reaktionen allgemein. Eine Zunahme nach Impfungen ließ sich nicht feststellen.
Aluminium in Impfstoffen
Aluminiumverbindungen werden in manchen Totimpfstoffen als Verstärker eingesetzt. Diskutiert wurde ein Zusammenhang mit der sogenannten makrophagischen Myofasziitis. Die Datenlage reicht für einen ursächlichen Zusammenhang nicht aus – und rechtfertigt es aus unserer Sicht in keiner Weise, den Sinn von Impfungen deswegen in Frage zu stellen.
Häufige Fragen
Kann mein Kind mehrere Impfungen am selben Tag bekommen?
Ja. Das Immunsystem eines Säuglings setzt sich täglich mit einer Vielzahl von Erregern auseinander – die Belastung durch mehrere Impfungen fällt daneben nicht ins Gewicht. Für Sie bedeutet es weniger Termine, für Ihr Kind weniger Stiche. Wir planen das beim Termin gemeinsam.
Wir haben Impfungen versäumt – ist der Zug abgefahren?
Fast nie. Eine begonnene Impfserie muss in aller Regel nicht neu gestartet werden, egal wie lange die letzte Teilimpfung her ist – es wird dort fortgesetzt, wo aufgehört wurde. Die eine Ausnahme ist die Rotavirus-Schluckimpfung: Sie muss je nach Impfstoff bis zur vollendeten 24. oder 32. Lebenswoche abgeschlossen sein und kann danach nicht mehr nachgeholt werden. Bringen Sie den Impfpass mit, dann sehen wir uns gemeinsam an, was fehlt.
Mein Kind ist verkühlt – können wir trotzdem impfen?
Ein leichter Infekt ohne nennenswertes Fieber spricht nicht gegen eine Impfung. Bei höherem Fieber oder einem akuten Magen-Darm-Infekt verschieben wir lieber. Rufen Sie im Zweifel vorher an, dann klären wir das kurz.
Warum wird so früh geimpft?
Weil der Schutz dann steht, wenn er gebraucht wird. Keuchhusten etwa verläuft im ersten Lebenshalbjahr am gefährlichsten – eine Impfung mit einem Jahr käme zu spät. Der frühe Beginn ist kein Zufall, sondern richtet sich danach, wann eine Erkrankung für ein Kind das größte Risiko darstellt.
Woher weiß ich, welche Impfungen mein Kind schon hat?
Aus dem Impfpass und aus dem elektronischen Impfpass, in dem neuere Impfungen automatisch eingetragen werden. Wenn Sie unsicher sind oder Unterlagen fehlen, sehen wir uns das beim nächsten Termin an. Eine Impfung doppelt zu bekommen, ist übrigens kein Problem – wer bereits geschützt ist, bei dem läuft sie ins Leere.
Was kostet eine Impfung bei Ihnen?
Zwei Dinge sind zu unterscheiden. Der Impfstoff kostet bei den Impfungen des kostenfreien Kinderimpfprogramms nichts; bei den übrigen zahlen Sie ihn selbst, was er kostet, sagen wir Ihnen beim Termin. Der Termin selbst ist ein gewöhnlicher Ordinationstermin, dafür gilt das Honorar der Kinderarztordination – unabhängig davon, wie viele Impfungen an diesem Tag verabreicht werden. Für das Impfen an sich verrechnen wir also nichts zusätzlich.
Termine vereinbaren Sie über die Online-Terminvereinbarung oder telefonisch. Wer bei uns Kinder und Jugendliche betreut, sehen Sie unter Kinderarzt.
Quellen
- Impfplan Österreich 2026/2027, Version 1.0 vom 17.09.2026 – Sozialministerium und Nationales Impfgremium
- impfen.gv.at – Informationsportal des Sozialministeriums
- Gebrauchsinformationen der Impfstoffe im kostenfreien Impfprogramm – Sozialministerium
Literatur
Die folgenden Arbeiten sind die Grundlage des Abschnitts über die häufigsten Sorgen. Wir führen sie vollständig an, damit jede Aussage nachprüfbar bleibt.
- Reaktionen und Nebenwirkungen nach Impfungen. Erläuterungen und Definitionen in Ergänzung zum Österreichischen Impfplan. Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien und Bundesministerium für Gesundheit. Dezember 2013.
- Madsen KM et al. Thimerosal and the occurrence of autism: negative ecological evidence from Danish population-based data. Pediatrics 2003;112(3Pt1):604–606.
- Stehr-Green P et al. Autism and thimerosal-containing vaccines: lack of consistent evidence for an association. Am J Prev Med 2003;25(2):101–106.
- Verstraeten T et al. Safety of thimerosal-containing vaccines: a two-phased study of computerized health maintenance organization databases. Pediatrics 2003;112(5):1039–1048.
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- Heron J et al. Thimerosal exposure in infants and developmental disorders: a prospective cohort study in the United Kingdom does not support a causal association. Pediatrics 2004;114(3):577–583.
- Andrews N et al. Thimerosal exposure in infants and developmental disorders: a retrospective cohort study in the United Kingdom does not support a causal association. Pediatrics 2004;114(3):584–591.
- Nelson KB et al. Thimerosal and autism? Pediatrics 2003;111(3):674–679.
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Zuletzt aktualisiert: September 2026