Rotavirus-Infektion
Die Rotavirus-Impfung ist eine Schluckimpfung für Babys – und eine der wenigen Impfungen, bei denen der Zeitpunkt wirklich zählt. Rotaviren waren vor ihrer Einführung die häufigsten Erreger von Brechdurchfall bei Säuglingen und Kleinkindern und verursachten fast die Hälfte aller Durchfallerkrankungen in dieser Altersgruppe. In Österreich hat die Impfung das grundlegend verändert. Sie ist kostenfrei, sie beginnt ab der vollendeten 6. Lebenswoche – und sie muss in den ersten Lebensmonaten abgeschlossen sein. In der Kinderarztpraxis Schumanngasse in Wien 1170 impfen wir im Rahmen der üblichen Vorsorgetermine mit.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Schluckimpfung, keine Spritze. Der Impfstoff wird in den Mund gegeben.
- Start ab der vollendeten 6. Lebenswoche – und zwar so früh wie möglich.
- Das Zeitfenster schließt sich. Je nach Impfstoff muss die Impfserie bis zur vollendeten 24. oder 32. Lebenswoche abgeschlossen sein. Danach ist sie nicht mehr möglich.
- Kostenfrei im Kinderimpfprogramm.
- Schutz: mehr als 70 Prozent gegen eine Rotavirus-Durchfallerkrankung, 90 Prozent gegen einen schweren Verlauf.
- Keine Auffrischung nötig.
Warum gegen Rotaviren geimpft wird
Rotaviren sind außerordentlich ansteckend. Ein Gramm Stuhl eines erkrankten Kindes enthält rund 100 Milliarden Viren, und etwa zehn davon genügen bereits für eine Ansteckung. Auf Händen bleiben sie viele Stunden infektiös, auf Oberflächen mehrere Tage. Erschwerend kommt hinzu, dass ein infiziertes Kind Viren schon ausscheidet, bevor die ersten Krankheitszeichen auftreten – man kann also nicht rechtzeitig reagieren.
Übertragen wird meist über die Hände und über verunreinigte Gegenstände, seltener durch Tröpfchen beim Erbrechen. Betroffen sind vor allem Säuglinge und Kleinkinder zwischen sechs Monaten und zwei Jahren, weil ihr Immunsystem noch nicht ausgereift ist. Und es gilt: Je jünger ein Kind bei der ersten Erkrankung ist, desto schwerer verläuft sie in der Regel. Gehäuft treten die Infektionen zwischen Oktober und März auf.
Was die Impfung in Österreich bewirkt hat. Vor ihrer Einführung mussten hierzulande jedes Jahr 2.900 bis 4.400 Kinder wegen Rotavirus-Brechdurchfall stationär im Spital behandelt werden. Seit Einführung der Schluckimpfung sind diese Krankenhausaufenthalte um 90 Prozent zurückgegangen. Nachgewiesen wurde außerdem eine Herdenimmunität: Auch ungeimpfte Säuglinge, die für eine Impfung noch zu jung sind, erkranken seither seltener.
Wie die Erkrankung verläuft
Zwischen Ansteckung und den ersten Beschwerden liegen ein bis drei Tage. Typischerweise beginnt es mit Fieber und Erbrechen, danach folgen wässrige Durchfälle. In schweren Fällen sind Erbrechen und Durchfall bis zu zwanzig Mal am Tag möglich. Die Windel kann Blut, Schleim oder Eiter enthalten. Häufig kommen Bauchschmerzen und Appetitlosigkeit dazu, manchmal auch Ohrenschmerzen.
Die Hauptgefahr ist die Austrocknung. Säuglinge und Kleinkinder verlieren über Durchfall und Erbrechen sehr rasch Flüssigkeit, und genau daran wird die Erkrankung für die Kleinsten gefährlich. Die Behandlung besteht deshalb im Wesentlichen darin, Flüssigkeit und Salze zu ersetzen, bis die Erkrankung von selbst ausheilt – das tut sie zuverlässig.
Festgestellt wird eine Rotavirus-Infektion anhand des Krankheitsbildes, bei Bedarf über einen Schnelltest aus dem Stuhl – vor allem dann, wenn Blut oder Eiter beigemengt sind.
Eine durchgemachte Erkrankung hinterlässt einen Teilschutz: Nach der ersten Erkrankung ist ein Kind zu etwa 70 Prozent vor weiteren Rotavirus-Erkrankungen geschützt, nach der zweiten zu rund 85 Prozent. Weil es verschiedene Virustypen gibt, sind wiederholte Infektionen dennoch häufig – sie verlaufen aber jedes Mal milder. Im Erwachsenenalter bleiben sie oft ganz unbemerkt oder wirken wie ein leichter Durchfall.
Die Rotavirus-Impfung: wann und wie oft
Es gibt zwei zugelassene Impfstoffe. Beide sind Lebendimpfstoffe, beide werden geschluckt, beide können ab der vollendeten 6. Lebenswoche gegeben werden – sie unterscheiden sich in der Zahl der Dosen und im spätesten Abschluss:
| Impfstoff | Dosen | Abstand | Abschluss spätestens |
|---|---|---|---|
| Rotarix | 2 Schluckdosen | 4 Wochen | vollendete 24. Lebenswoche |
| RotaTeq | 3 Schluckdosen | jeweils 4 Wochen | vollendete 32. Lebenswoche |
Die beiden Impfstoffe sind nicht austauschbar. Eine begonnene Impfserie muss mit demselben Impfstoff zu Ende geführt werden. Welcher bei Ihrem Kind zum Einsatz kommt, sagen wir Ihnen beim Termin.
Die Schluckimpfung lässt sich gemeinsam mit den anderen Impfungen dieses Alters geben, etwa mit der Sechsfach-Impfung. Es sind keine Auffrischungen vorgesehen: Ist die Serie abgeschlossen, ist das Thema erledigt.
Warum die Frist so streng ist. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für eine Invagination – dabei stülpt sich ein Abschnitt des Darms in den nächsten ein. Das ist ein seltener, aber ernster Notfall. Weil dieses Risiko mit den Lebensmonaten zunimmt, ist das Zeitfenster für die Impfung bewusst eng gesetzt, und der Impfplan Österreich schreibt, es sei unbedingt einzuhalten. Versäumte Dosen können danach nicht nachgeholt werden – anders als bei fast allen anderen Impfungen im Kindesalter.
Was die Impfung kostet
Die Rotavirus-Schluckimpfung ist im kostenfreien Kinderimpfprogramm enthalten. Der Impfstoff wird von Bund, Ländern und Sozialversicherung bereitgestellt, dafür zahlen Sie nichts.
Für die ärztliche Leistung fällt nichts zusätzlich an. Ein Impftermin ist bei uns ein gewöhnlicher Ordinationstermin – es gilt das Honorar der Kinderarztordination, unabhängig davon, wie viele Impfungen an diesem Tag verabreicht werden.
Wie eine Impfung bei uns abläuft
- Beim Vorsorgetermin mitgeplant. Die erste Dosis fällt in der Regel mit einer der frühen Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen zusammen. Sprechen Sie uns darauf an, dann stimmen wir die Termine so ab, dass sich das Zeitfenster ausgeht.
- Keine Spritze. Der Impfstoff wird aus einem Applikator langsam in die Wange gegeben. Die meisten Babys schlucken ihn problemlos.
- Stillen ist kein Hindernis. Weder davor noch danach beeinträchtigt es den Aufbau des Impfschutzes.
- Bei akutem Durchfall oder Erbrechen verschieben wir. Ist Ihr Kind am Impftag magen-darm-krank, holen wir die Dosis zu einem späteren Termin nach – innerhalb des Zeitfensters.
- Termine vereinbaren Sie über die Online-Terminvereinbarung oder telefonisch.
Welche Impfreaktionen sind möglich?
Die Schluckimpfung ist gut verträglich. Beide Impfstoffe wurden vor der Zulassung in Studien mit jeweils 60.000 bis 70.000 Kindern geprüft – eine Größenordnung, die ausdrücklich verlangt wurde, um auch seltene schwere Nebenwirkungen sichtbar zu machen. Beide Hersteller konnten zeigen, dass ihr Produkt sicher und nebenwirkungsarm ist.
Weil es sich um Lebendimpfstoffe handelt, scheidet Ihr Kind nach der Impfung eine Zeit lang Impfviren mit dem Stuhl aus. Das ist normal. Eine Übertragung auf ungeschützte Personen ist dabei grundsätzlich möglich, deshalb gilt in den Wochen nach der Impfung dasselbe, was ohnehin sinnvoll ist: nach jedem Wickeln gründlich die Hände waschen. Muss Ihr Kind in den zwei bis vier Wochen nach der Impfung ins Spital, sagen Sie dort bitte, dass es kürzlich die Schluckimpfung bekommen hat – dann werden entsprechende Hygienemaßnahmen eingehalten.
Wenn Ihr Kind erkrankt: was Sie zu Hause tun können
Bei leichten Beschwerden können Sie Ihr Kind zu Hause betreuen:
- Weiter füttern wie bisher. Ob gestillt oder mit der Flasche – dabei bleiben. Bekommt Ihr Kind schon feste Nahrung, eignen sich stopfende Lebensmittel wie Banane, Reis, Zwieback oder Heidelbeeren.
- Viel trinken lassen, aber ungesüßt. Cola und unverdünnte Fruchtsäfte sind ungeeignet: Unverdauter Zucker zieht Wasser in den Darm und kann den Durchfall verstärken. In der Apotheke gibt es fertige Elektrolytlösungen, die genau dafür gemacht sind.
- Probiotika können helfen. Sie verkürzen die Durchfalldauer nachweislich.
- Hygiene ist entscheidend. Vor allem nach dem Wickeln Hände waschen und ein antiviral wirksames Desinfektionsmittel verwenden – auch für Wickelunterlage, Waschbecken, Toilette, Türgriffe und Spielzeug. Übliche Desinfektionsmittel wirken gegen Rotaviren nicht zuverlässig.
- Wäsche des Kindes und Bettwäsche gesondert bei 60 Grad waschen.
- Erst wieder in die Betreuung, wenn die Beschwerden ein bis zwei Tage vollständig vorbei sind.
Wann Sie uns anrufen sollten. Wenn der Durchfall nach 24 Stunden nicht nachlässt, wenn Ihr Kind zusätzlich erbricht, fiebert oder Schmerzen hat – und immer dann, wenn es auffällig schlapp wirkt, wenig oder gar nicht mehr uriniert oder beim Weinen keine Tränen mehr kommen. Das sind Zeichen einer Austrocknung, und die gehören rasch angesehen.
Eine seltene Spätfolge ist das postenteritische Syndrom: Die Darmschleimhaut braucht nach einer schweren Infektion Zeit, sich zu erholen, und verträgt in dieser Phase Milchzucker schlechter. Gelegentlich entwickelt sich vorübergehend eine Unverträglichkeit gegen Kuhmilcheiweiß. In so einem Fall wird es für einige Wochen weggelassen und danach wieder eingeführt – das besprechen wir dann individuell.
Häufige Fragen
Ab wann und bis wann kann mein Kind die Schluckimpfung bekommen?
Ab der vollendeten 6. Lebenswoche, und zwar so früh wie möglich. Abgeschlossen sein muss die Serie je nach Impfstoff bis zur vollendeten 24. Lebenswoche (Rotarix, zwei Dosen) oder bis zur vollendeten 32. Lebenswoche (RotaTeq, drei Dosen).
Was passiert, wenn wir den Zeitpunkt versäumen?
Dann ist die Impfung nicht mehr möglich. Das unterscheidet die Rotavirus-Impfung von fast allen anderen Impfungen im Kindesalter, die sich nachholen lassen. Der Grund ist das mit dem Alter steigende Risiko für eine Invagination, also eine Einstülpung eines Darmabschnitts. Wenn Sie unsicher sind, ob sich das Zeitfenster noch ausgeht, rufen Sie uns bitte an – je früher, desto mehr Spielraum haben wir.
Mein Kind hat gerade Durchfall – können wir trotzdem impfen?
Nein, bei akutem Durchfall oder Erbrechen wird die Schluckimpfung verschoben. Wir vereinbaren dann einen neuen Termin, der noch im Zeitfenster liegt.
Mein Kind ist zu früh auf die Welt gekommen – kann es geimpft werden?
Ja, und es ist besonders wichtig: Frühgeborene haben bei einer Rotavirus-Infektion ein deutlich höheres Komplikationsrisiko. Geimpft wird zeitgerecht ab sechs Wochen nach der Geburt, bei Bedarf noch während des stationären Aufenthalts. RotaTeq kann bei Kindern gegeben werden, die ab der 25. Schwangerschaftswoche geboren wurden, Rotarix ab der 27. Schwangerschaftswoche.
Kann mein Kind trotz Impfung an Rotaviren erkranken?
Ja, das ist möglich. Die Impfung schützt zu mehr als 70 Prozent vor einer Rotavirus-Durchfallerkrankung überhaupt und zu 90 Prozent vor einem schweren Verlauf. Erkrankt ein geimpftes Kind doch, verläuft die Erkrankung deutlich milder – und genau darum geht es: Die Impfung soll den Spitalsaufenthalt verhindern, nicht jede Magen-Darm-Verstimmung.
Wie lange hält der Schutz?
Gesichert sind rund zwei Jahre mit langsam abnehmender Wirkung. Das deckt genau die Zeit ab, in der eine Rotavirus-Erkrankung für ein Kind am gefährlichsten ist. Danach verlaufen Infektionen ohnehin milder.
Alles zu unserem Impfangebot steht unter Leistungen. Wer bei uns Kinder betreut, sehen Sie unter Kinderarzt.
Quellen
- Impfplan Österreich 2026/2027, Version 1.0 vom 17.09.2026 – Kapitel Rotavirus, Sozialministerium und Nationales Impfgremium
- Rotavirus (Brechdurchfall) – Sozialministerium, Infektionskrankheiten A–Z
- Gebrauchsinformationen der Impfstoffe im kostenfreien Impfprogramm – Sozialministerium
Zuletzt aktualisiert: September 2026