Stillberatung
Seinem Kind die Brust zu geben ist etwas ganz Natürliches – und trotzdem sind viele Mütter überrascht, dass auch das Stillen gelernt werden will. Das ist kein Versagen, sondern die Regel. Auf dieser Seite steht, wie die Milchbildung in Gang kommt, worauf es beim Anlegen ankommt und wer Stillberatung anbietet, wenn es nicht von selbst läuft.
Das Wichtigste in Kürze
- Stillen ist kein ausgeprägter Instinkt, sondern zum größten Teil erlerntes Verhalten – bei Mutter und Kind.
- Die WHO empfiehlt, in den ersten sechs Monaten ausschließlich zu stillen.
- Häufiges Anlegen bringt die Milchbildung in Gang – nicht Abwarten und nicht Zufüttern.
- Die Anlegetechnik entscheidet fast alles. Wunde Brustwarzen und Milchstau gehen meist darauf zurück.
- Eine eigene Stillberatung bieten wir nicht an. Wer das übernimmt, steht weiter unten.
- Beim Kind sehen wir gerne nach – Gewicht, Trinkverhalten, Gedeihen.
Stillen will gelernt sein
Stillen ist kein ausgeprägter Instinkt, sondern hauptsächlich eine Prägung – das bestätigt auch die Verhaltensforschung an Primaten. Ihr Baby kommt zwar mit der instinktiven Fähigkeit zur Welt, die Brust zu suchen, zu finden und zu erfassen. Dieses Verhalten muss nach der Geburt aber durch erlerntes Verhalten verstärkt werden, auf beiden Seiten.
Noch vor wenigen Generationen wandten sich junge Mütter für Rat an ihre eigenen Mütter. Diese Möglichkeit steht heute nur noch wenigen offen: Großfamilien gibt es kaum mehr, und die letzte Müttergeneration hat vergleichsweise wenig gestillt. Dass Wissen fehlt, das früher einfach weitergegeben wurde, hat also wenig mit einem selbst zu tun – und ist ein guter Grund, sich Unterstützung zu holen.
Wie die Milchbildung in Gang kommt
Schon gegen Ende der Schwangerschaft bildet sich die Vormilch (Kolostrum) – gelblich, dickflüssig und besonders reich an Stoffen, die die Immunabwehr des Neugeborenen unterstützen. In den ersten Tagen genügen kleine Mengen davon vollkommen: Der Magen eines Neugeborenen fasst nur wenige Milliliter.
Zwischen dem zweiten und vierten Tag beginnt die eigentliche Milchbildung – der Milcheinschuss. Die Brust wird prall und kann spannen. Was dann fließt, ist die Übergangsmilch, flüssiger und weißlicher als die Vormilch. Etwa ab dem 14. Lebenstag bildet sich die reife Frauenmilch.
Häufiges Anlegen fördert die Milchbildung. Durch den Saugreiz werden vermehrt Oxytocin und Prolaktin ausgeschüttet. Die beiden Hormone unterstützen den Milchfluss, fördern die Rückbildung der Gebärmutter und wirken sich positiv auf die Beziehung zwischen Mutter und Kind aus. Wer in den ersten Tagen viel anlegt, tut also genau das Richtige.
Richtig anlegen
Auf die Anlegetechnik kommt es an – damit sich Ihr Baby nicht anstrengen muss und damit Sie keinen Milchstau und keine Brustentzündung bekommen.
- Machen Sie es sich bequem. Ins Bett oder in einen Sessel setzen, den Arm mit einem Kissen unterlegen.
- Bauch an Bauch. Das Baby liegt Ihnen ganz zugewendet und soll die Brust erreichen können, ohne den Kopf zu drehen.
- Viel Brustgewebe in den Mund. Nicht nur die Brustwarze, sondern auch ein Teil des Warzenhofs – nur so kann Ihr Baby wirkungsvoll saugen, und die Brustwarzen werden nicht so leicht wund.
- Den Kopf zur Brust führen, nicht die Brust zum Kopf.
- Vakuum lösen beim Ablösen. Vorsichtig einen Finger zwischen Brust und Mundwinkel schieben, statt das Kind wegzuziehen.
- Beide Brüste anbieten und jeweils mit der beginnen, an der Ihr Baby zuletzt getrunken hat. So wird die Milchbildung gleichmäßig angeregt.
Es lohnt sich, die Stillpositionen zu wechseln – vor allem, wenn die Brustwarzen schmerzen oder sich ein Milchstau ankündigt. Verbreitet sind die Wiegehaltung im Sitzen, das Stillen im Liegen auf der Seite und der Rückengriff, bei dem die Füße des Babys in Richtung Ihres Rückens zeigen.
Womit eine Stillberatung weiterhilft
In einer Stillberatung werden Fragen rund um die Ernährung des Kindes besprochen. Themen können sein:
- Vorbereitung auf das Stillen in der Schwangerschaft
- Stillen in den ersten Tagen
- Ernährung in der Stillzeit
- Schmerzen in der Brust
- zu viel Milch, zu wenig Milch
- Stillpositionen und Stilltechniken
- Milch sammeln und aufbewahren
- Stillen bei Erkrankungen der Mutter
- Medikamente in der Stillzeit
- Beikost
- Stillstreik
- buntes Stillen
- Tandemstillen
- Abstillen
Wer Stillberatung anbietet – und was wir tun
Wir sagen es offen: Eine eigene Stillberatung bieten wir nicht an. Stillfragen beantworten wir beim Termin, und das gerne – für eine ausführliche Begleitung sind andere zuständig, und zwar besser:
- Ihre Hebamme – erste Ansprechpartnerin im Wochenbett
- Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC – international zertifiziert, Einzelberatung oder Stillgruppen, zu finden über den Verband der Still- und Laktationsberaterinnen Österreichs
- La Leche Liga Österreich – Beraterinnen und Stillgruppen in ganz Österreich
Wofür Sie zu uns kommen: wenn es um Ihr Kind geht. Wenn es zu wenig zunimmt, auffällig unruhig oder schläfrig ist, deutlich weniger nasse Windeln hat oder das Trinken nicht so läuft, wie Sie es erwarten würden. Dann wiegen wir, sehen uns die Kurve an und schauen Ihr Kind an. Das ist schnell gemacht und nimmt oft die Sorge.
Alles rund ums Stillen
Die einzelnen Themen im Detail.
Häufige Fragen
Wie lange soll ich ausschließlich stillen?
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, Babys in den ersten sechs Monaten ausschließlich zu stillen. Danach kommt schrittweise Beikost dazu – gestillt werden darf weiterhin, so lange es für Sie und Ihr Kind passt.
Ich habe das Gefühl, ich habe zu wenig Milch. Stimmt das?
Meist ist das Gefühl stärker als der Befund. Ob Ihr Kind genug bekommt, zeigen die Gewichtsentwicklung und die nassen Windeln – nicht das Gefühl in der Brust und nicht die Menge, die sich abpumpen lässt. Wenn Sie unsicher sind, wiegen wir Ihr Kind und sehen uns die Kurve an.
Mein Baby will ständig an die Brust, obwohl es gerade getrunken hat.
Das ist normal. Viele Babys wollen an die Brust, auch wenn sie keinen Hunger haben – das Saugen beruhigt und vermittelt Wärme und Sicherheit. In den ersten Wochen regt häufiges Anlegen zusätzlich die Milchbildung an.
Muss ich in der Stillzeit besonders essen?
Der Energie- und Nährstoffbedarf steigt, ja. Die zusätzlichen Kalorien sind aber kein Freibrief: Süßigkeiten liefern rasch mehr Kalorien als nötig und wenig von dem, was Ihr Kind braucht. Wenn Sie es genauer wissen möchten, hilft unsere Ernährungsberatung weiter.
Was bringt Stillen mir selbst?
Beim Stillen wird Oxytocin ausgeschüttet, das Nachwehen auslöst, den Wochenfluss günstig beeinflusst und die Rückbildung der Gebärmutter beschleunigt. Längerfristig wurde bei Frauen, die gestillt haben, unter anderem ein verringertes Risiko für Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und einige Krebserkrankungen festgestellt.
Wo finde ich eine Stillberaterin?
Über den Verband der Still- und Laktationsberaterinnen Österreichs finden Sie international zertifizierte Beraterinnen (IBCLC), über die La Leche Liga Österreich Beraterinnen und Stillgruppen. Ihre Hebamme ist im Wochenbett ohnehin die erste Ansprechpartnerin.
Geht es um Ihr Kind und nicht ums Stillen selbst, sehen wir es uns gerne an – Termine über die Online-Terminvereinbarung. Wer bei uns Kinder betreut, sehen Sie unter Kinderarzt.
Quellen
- Stillen – gesunder Start ins Leben – Gesundheitsportal des Bundes
- Brustentzündung in der Stillzeit – Gesundheitsportal des Bundes
- Richtig essen von Anfang an – Initiative von Sozialministerium, Österreichischer Gesundheitskasse und AGES
Zuletzt aktualisiert: September 2026