Aspiration
Aspiration bedeutet, dass etwas in die Atemwege gelangt, das dort nicht hingehört – Nahrung, Speichel oder ein Fremdkörper. Gerade bei Kleinkindern kommt das häufig vor, und es ist eine medizinische Notfallsituation: Je nach Lage und Größe des Fremdkörpers kann es zum Ersticken kommen. Auf dieser Seite steht, woran Sie es erkennen und was Sie sofort tun.
Wenn es gerade passiert: Wählen Sie so schnell wie möglich den Notruf 144 – oder bitten Sie eine anwesende Person darum, während Sie helfen. Die Rettungsleitstelle leitet Sie durch die Schritte.
Das Wichtigste in Kürze
- Verdacht auf eine Aspiration besteht, wenn ein Kind plötzlich nicht mehr sprechen kann – oder ein Baby nicht mehr laut weinen.
- Zuerst Notruf 144, dann helfen.
- Husten lassen, solange das Kind hustet – das ist wirksamer als alles andere.
- Wenn Husten nicht mehr geht: fünf Rückenschläge, dann fünf Brust- oder Bauchstöße, im Wechsel.
- Niemals blind mit den Fingern im Mund suchen. Das verschlimmert die Lage.
- Danach immer ärztlich ansehen lassen, auch wenn alles gut ausgegangen ist.
Aspiration: woran Sie sie erkennen
Vermuten Sie einen Fremdkörper in den Atemwegen
- bei Kindern und Jugendlichen, die plötzlich nicht mehr sprechen können,
- bei Säuglingen und Kleinkindern, die plötzlich nicht mehr laut weinen können,
– und zwar besonders dann, wenn es während des Fütterns, beim Essen oder beim unbeaufsichtigten Spielen passiert.
Solange Ihr Kind kräftig hustet, ist Husten die beste Hilfe. Der eigene Hustenstoß erzeugt mehr Druck als alles, was Sie von außen tun können. Ältere Kinder fordern Sie also aktiv zum Husten auf. Eingegriffen wird erst, wenn das Husten nicht mehr möglich oder wirkungslos ist.
Was Sie sofort tun – wenn das Kind ansprechbar ist
Schritt 1: Fünf Rückenschläge
Bei Babys bis zu einem Jahr:
- Legen Sie das Baby mit dem Gesicht nach unten auf Ihren Unterarm und stützen Sie den Unterarm auf Ihrem Bein ab.
- Stützen Sie den Kopf des Babys mit Ihrer Hand.
- Halten Sie den Kopf etwas tiefer als den Brustkorb, um die Schwerkraft auszunutzen.
- Schlagen Sie zwischen die Schulterblätter – bis zu fünfmal oder bis die Verlegung gelöst ist.
Bei Kindern und Jugendlichen:
- Beugen Sie das Kind mit dem Oberkörper leicht nach vorne.
- Schlagen Sie zwischen die Schulterblätter – bis zu fünfmal.
Schritt 2: Fünf Brust- oder Bauchstöße
Wenn die Rückenschläge wirkungslos bleiben:
Bei Babys bis zu einem Jahr – Brustkorbstöße:
- Drehen Sie das Baby auf den Rücken und legen Sie es auf Ihre Knie.
- Umfassen Sie den unteren Teil des Brustkorbs mit beiden Händen und legen Sie beide Daumen neben- oder übereinander auf die untere Hälfte des Brustbeins.
- Drücken Sie bis zu fünfmal kräftig auf das Brustbein – oder bis die Atemwege frei sind.
Bei Kindern und Jugendlichen – Bauchstöße:
- Stellen Sie sich hinter das Kind und legen Sie Ihre Arme um den oberen Teil seines Bauches.
- Beugen Sie das Kind nach vorne.
- Ballen Sie eine Faust und legen Sie sie zwischen Nabel und Ende des Brustbeins.
- Greifen Sie die Faust mit der anderen Hand und ziehen Sie kräftig nach innen und oben – bis zu fünfmal.
Schritt 3: Im Wechsel weiter
Wenn auch die Stöße wirkungslos sind, wechseln Sie zwischen fünf Rückenschlägen und fünf Bauchstößen – so lange, bis die Erstickung behoben ist und das Kind wieder hustet, laut atmet oder weint. Oder bis das Kind das Bewusstsein verliert.
Wenn das Kind nicht ansprechbar ist
Notruf 144 wählen, falls das noch nicht geschehen ist – und sofort mit der Wiederbelebung beginnen. Befolgen Sie dabei die Anweisungen der Mitarbeiterin oder des Mitarbeiters der Rettungsleitstelle. Schalten Sie den Lautsprecher Ihres Telefons ein, dann haben Sie beide Hände frei.
Was Sie auf keinen Fall tun sollten
Suchen Sie NICHT blind mit den Fingern nach dem Fremdkörper und versuchen Sie nicht, ihn so aus Mund oder Atemwegen zu entfernen. Das kann die Situation verschlimmern, weil der Fremdkörper dabei tiefer rutscht. Entfernen Sie ihn nur dann, wenn Sie ihn eindeutig sehen und gut erreichen können.
Danach: immer ärztlich ansehen lassen
Jedes Kind, das erfolgreich mit Bauchstößen oder einer Herzdruckmassage behandelt wurde, sollte ärztlich untersucht werden – um mögliche Komplikationen und Verletzungen zu erkennen und zu behandeln. Auch wenn es dem Kind danach wieder gut geht.
Ebenso abklären lassen sollten Sie es, wenn Ihr Kind nach einem Verschlucken weiter hustet, pfeifend atmet, heiser bleibt oder sich anders anhört als sonst. Ein kleiner Fremdkörper kann in einem Bronchus liegen bleiben, ohne sofort etwas zu verlegen.
Einer Aspiration vorbeugen
- Nüsse, Samen, Körner und ganze Beeren gehören nicht in den Mund kleiner Kinder – sie sind die klassischen Fremdkörper.
- Fisch mit Gräten im ersten Lebensjahr meiden.
- Beim Essen sitzen bleiben, nicht herumlaufen, nicht lachen oder toben mit vollem Mund.
- Kleinteiliges Spielzeug und Batterien außer Reichweite – besonders Knopfzellen sind gefährlich.
- Kleine Kinder beim Essen nicht unbeaufsichtigt lassen.
Die andere Bedeutung von Aspiration
Der Begriff wird auch dann verwendet, wenn nicht ein Fremdkörper, sondern regelmäßig Nahrung oder Speichel in die Atemwege gerät – als Folge einer Schluckstörung. Das ist kein plötzlicher Notfall, sondern ein wiederkehrendes Problem, das sich unter anderem durch Husten beim Trinken und wiederholte Lungenentzündungen bemerkbar macht. Mehr dazu unter Dysphagie.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, dass sich mein Kind verschluckt hat?
Kinder und Jugendliche können plötzlich nicht mehr sprechen, Säuglinge und Kleinkinder nicht mehr laut weinen. Besonders naheliegend ist der Verdacht, wenn es während des Fütterns, beim Essen oder beim unbeaufsichtigten Spielen passiert.
Soll ich mein Kind auf den Rücken klopfen?
Nicht solange es kräftig hustet – dann ist der eigene Hustenstoß die wirksamste Hilfe. Erst wenn das Husten nicht mehr möglich oder wirkungslos ist, geben Sie bis zu fünf Rückenschläge zwischen die Schulterblätter, danach bis zu fünf Brust- beziehungsweise Bauchstöße.
Darf ich mit dem Finger in den Mund greifen?
Nein, nicht blind. Das kann die Situation verschlimmern, weil der Fremdkörper dabei tiefer rutschen kann. Entfernen Sie ihn nur, wenn Sie ihn eindeutig sehen und gut erreichen können.
Es ist noch einmal gut gegangen – muss ich trotzdem zum Arzt?
Ja. Jedes Kind, das erfolgreich mit Bauchstößen oder einer Herzdruckmassage behandelt wurde, sollte ärztlich untersucht werden, um Komplikationen und Verletzungen zu erkennen. Auch anhaltender Husten, pfeifende Atmung oder Heiserkeit nach einem Verschlucken gehören abgeklärt.
Diese Seite ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs. Sie beschreibt die Maßnahmen nach den aktuellen Empfehlungen, damit Sie im Ernstfall etwas zum Nachlesen haben. Wer einmal geübt hat, handelt im Notfall sicherer – Kurse speziell für Eltern und Betreuungspersonen gibt es bei allen großen Rettungsorganisationen.
Geht es um wiederkehrende Schluckprobleme statt um einen einmaligen Notfall, führt die Dysphagie weiter. Wenn Ihr Kind rasch gesehen werden soll, lesen Sie unter Akuttermin, wie das bei uns abläuft. Termine über die Online-Terminvereinbarung.
Quellen
- Erste Hilfe & Wiederbelebung bei Kindern – Gesundheitsportal des Bundes, nach den Leitlinien des European Resuscitation Council
Zuletzt aktualisiert: September 2026