Sprachentwicklungsstörung

Eine Sprachentwicklungsstörung bezeichnet eine Auffälligkeit oder Verzögerung im frühkindlichen Spracherwerb. Kinder sind grundsätzlich mit der Fähigkeit ausgestattet, eine oder mehrere Sprachen, mit denen sie in den ersten Lebensjahren konfrontiert werden, problemlos zu erlernen. Wenn das nicht gelingt, lohnt der genaue Blick – denn wo es hakt, ist von Kind zu Kind sehr unterschiedlich.

Das Wichtigste in Kürze

  • Frühe Anzeichen sind ein verspäteter Sprechbeginn, ein langsam wachsender Wortschatz und auffälliges Sprechen.
  • Betroffen sein können ganz verschiedene Ebenen: Aussprache, Grammatik, Wortschatz, Sprachverständnis.
  • Es gibt Formen mit erkennbarer Ursache – etwa eine Hörstörung – und solche ohne.
  • Mehrsprachigkeit ist keine Ursache. Kinder können von Anfang an mehrere Sprachen lernen.
  • Die Therapie führt die Logopädie durch, nach einer ausführlichen Diagnostik.

Woran Sie eine Sprachentwicklungsstörung früh erkennen

Häufige frühe Symptome sind ein verspäteter Sprechbeginn – siehe Late Talker –, ein langsamer Aufbau des Wortschatzes sowie deutliche Auffälligkeiten in der Sprachproduktion.

Formen mit und ohne erkennbare Ursache

Sprachentwicklungsstörungen können im Rahmen primärer Störungsbilder auftreten – zum Beispiel bei Hörstörungen, bei Syndromen oder bei Fehlbildungen wie Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten.

Daneben gibt es eine Untergruppe, bei der spezifisch die Fähigkeit zum Spracherwerb eingeschränkt ist, ohne dass eine organische, mentale oder emotionale Grunderkrankung vorliegt. Man spricht dann von einer spezifischen Sprachentwicklungsstörung.

Deshalb steht die Hörabklärung am Anfang. Solange nicht geklärt ist, ob Ihr Kind gut hört, lässt sich nicht beurteilen, welche Form vorliegt – und die Therapie würde am falschen Punkt ansetzen. Die Untersuchung machen wir in unserer Kinder-HNO-Ordination, im selben Haus.

Welche Ebene betroffen ist

Die Störung kann sich auf unterschiedlichen Ebenen der Sprache auswirken:

Aussprache phonetische oder phonologische Störung – die Laute werden falsch gebildet oder falsch verwendet
Grammatik Satzbau (Syntax) und Wortformen (Morphologie)
Wortschatz und Bedeutung Semantik – welche Wörter das Kind kennt und wie genau es sie verwendet

Wie sich das anhört – sieben Beispiele

  • Spricht das Kind den Laut /s/ aus, rutscht die Zunge zwischen die Zähne. Dadurch entsteht ein Lispeln.
  • Das Kind ersetzt jedes /t/ im Wort durch ein /k/: Aus Tasse wird Kasse, aus trinken wird krinken.
  • Das Kind beginnt jedes Wort eines Satzes mit dem Laut /h/: Aus Frosch wird Hrosch, aus Ball wird Hall, aus Komm! wird Homm!
  • Das Kind hat Schwierigkeiten mit der Mehrzahl: statt zwei Autos sagt es zwei Auto, aus zwei Sessel wird zwei Sessels.
  • Das Kind hat Probleme, Verben abzuwandeln: der ist gegangt oder wir geht dahin.
  • Das Kind ordnet die Wörter im Satz nicht korrekt an: Ich dich mag. statt Ich mag dich.
  • Das Kind benennt alle Nahrungsmittel mit Essen, statt sich die einzelnen Bezeichnungen wie Apfel, Brot oder Käse zu merken.

Einzelne dieser Muster kommen in der normalen Sprachentwicklung vorübergehend vor. Auffällig wird es, wenn sie bleiben, sich häufen oder das Kind dadurch schwer zu verstehen ist.

Wie behandelt wird

Die Therapie einer Sprachentwicklungsstörung wird durch die Logopädie durchgeführt. Nach einer ausführlichen Diagnostik führen unsere Logopädinnen die störungsspezifische Therapie durch – also genau an der Ebene, an der es hakt.

Für die Therapie brauchen Sie eine fachärztliche Verordnung – die bekommen Sie bei uns, genau wie die Therapie selbst. Für Beratung und Prävention ist keine Verordnung nötig. Was Ihre Kasse an Bewilligung verlangt, steht auf der Seite Logopädische Diagnostik und Therapie.

Häufige Fragen

Mein Kind lispelt. Ist das eine Sprachentwicklungsstörung?

Lispeln entsteht, wenn beim Laut /s/ die Zunge zwischen die Zähne rutscht. Es gehört zu den Ausspracheauffälligkeiten und kommt vorübergehend auch in der normalen Entwicklung vor. Auffällig wird es, wenn es bleibt. Ob und wann behandelt werden sollte, klärt eine logopädische Diagnostik.

Schadet Mehrsprachigkeit der Sprachentwicklung?

Nein. Kinder sind grundsätzlich mit der Fähigkeit ausgestattet, eine oder mehrere Sprachen, mit denen sie in den ersten Lebensjahren konfrontiert werden, problemlos zu erlernen. Wenn ein mehrsprachig aufwachsendes Kind Schwierigkeiten hat, liegt das nicht an der Mehrsprachigkeit – und die Abklärung läuft gleich ab wie sonst auch.

Was ist eine spezifische Sprachentwicklungsstörung?

Damit werden Kinder bezeichnet, bei denen spezifisch die Fähigkeit zum Erwerb der Sprache eingeschränkt ist, ohne dass eine organische, mentale oder emotionale Grunderkrankung vorliegt. Davon zu unterscheiden sind Sprachentwicklungsstörungen im Rahmen primärer Störungsbilder, etwa bei Hörstörungen, Syndromen oder Lippen-Kiefer-Gaumenspalten.

Wächst sich das nicht von selbst aus?

Manches ja, manches nicht. Einzelne Aussprachemuster kommen in der normalen Entwicklung vorübergehend vor. Auffällig wird es, wenn sie bleiben, sich häufen oder das Kind dadurch schwer zu verstehen ist. Eine Diagnostik unterscheidet zwischen beidem – und kann durchaus zu dem Ergebnis kommen, dass ein Kontrolltermin genügt.

Zum verspäteten Sprechbeginn gibt es die Seite Late Talker, einen Überblick über das Fach die Seite Logopädie. Ablauf und Kosten stehen unter Logopädische Diagnostik und Therapie. Termine über die Online-Terminvereinbarung.

Quellen

Zuletzt aktualisiert: September 2026