Fieber
Fieber beim Kind ist keine Krankheit, sondern eine Abwehrreaktion: Die höhere Temperatur lässt die Abwehrzellen besser arbeiten, und viele Erreger vermehren sich dabei schlechter. Für ein zuvor gesundes Kind ist Fieber in aller Regel kein zusätzliches Risiko. Entscheidend ist deshalb nicht die Zahl auf dem Thermometer allein, sondern wie es Ihrem Kind geht – und ob eines der Warnzeichen dazukommt, bei denen wir Ihr Kind rasch sehen sollten.
Das Wichtigste in Kürze
- Fieber beginnt bei 38,5 °C rektal gemessen – bei Babys in den ersten Lebenswochen schon bei 38,0 °C.
- Fieber schadet nicht. Es gibt keine Hinweise darauf, dass es den Verlauf einer Erkrankung verschlechtert.
- Der Zustand zählt mehr als die Zahl. Ein Kind kann schwer krank sein, obwohl die Temperatur nur leicht erhöht ist.
- Neugeborene mit Fieber gehören sofort angesehen – hier gilt keine Wartefrist.
- Trinken ist wichtiger als Essen. Ein paar Tage weniger Appetit sind unbedenklich, zu wenig Flüssigkeit nicht.
- Acetylsalicylsäure ist für Kinder tabu. Sie kann schwere Leber- und Gehirnschäden auslösen.
Ab wann spricht man von Fieber beim Kind?
Maßgeblich ist die rektal gemessene Temperatur – sie kommt der Temperatur im Körperinneren am nächsten:
| Gemessen | Bezeichnung |
|---|---|
| 36,5 – 37,5 °C | normale Körpertemperatur |
| 37,6 – 38,4 °C | erhöhte Temperatur |
| ab 38,5 °C | Fieber – bei Babys in den ersten Lebenswochen schon ab 38,0 °C |
| ab 39,0 °C | hohes Fieber |
Bei der Beurteilung gilt es, drei Dinge mitzudenken. Erstens schwankt die Körpertemperatur im Tagesverlauf – abends ist sie meist höher als morgens. Zweitens reagieren gerade Kleinkinder stark auf die Umgebung: Sie schwitzen weniger als Erwachsene und geben deshalb schlechter Wärme ab. Wildes Toben, große Aufregung oder zu warme Kleidung können die Temperatur schon merklich anheben.
Und drittens – das ist der wichtigste Punkt: Neugeborene und junge Säuglinge können auf eine schwere Infektion mit kaum erhöhter Temperatur reagieren. Gerade bei den Kleinsten sagt eine unauffällige Zahl also wenig aus.
Richtig messen
| Methode | Wofür sie taugt |
|---|---|
| Im Po (rektal) | Bei Säuglingen und Kleinkindern die genaueste Methode. Die Spitze mit etwas Vaseline bestreichen und nicht weiter als ein bis zwei Zentimeter vorsichtig einführen. |
| Im Ohr | Braucht ein Infrarotthermometer. Bei Säuglingen ist der Gehörgang oft zu eng, viel Ohrenschmalz verfälscht das Ergebnis. |
| An Stirn oder Schläfe | Schnell und auch im Schlaf möglich, manche Geräte sogar kontaktlos. Dafür ungenauer als rektal. |
| Unter der Achsel | Erst etwa ab dem Schulalter brauchbar, bei kleineren Kindern zu ungenau. |
| Im Mund | Ebenfalls ab dem Schulalter. Zehn Minuten vorher nichts Heißes oder Kaltes trinken, die Zunge während der Messung ruhig halten. |
Ein halbes Grad Unterschied. Die rektal gemessene Temperatur liegt rund 0,5 °C höher als im Ohr, an der Stirn oder unter der Achsel. Wenn Sie uns eine Zahl nennen, sagen Sie bitte dazu, wo gemessen wurde – sonst reden wir über verschiedene Dinge.
Wann Ihr Kind rasch angesehen werden sollte
Ein Neugeborenes mit Fieber über 38 °C gehört umgehend ärztlich untersucht. Hier gibt es keine Wartefrist und kein Abwarten bis zum nächsten Tag. Dasselbe gilt für jedes Kind mit Fieber über 40 °C – ab 41 °C besteht Lebensgefahr.
Darüber hinaus sollte Ihr Kind rasch untersucht werden, wenn:
- es schwer atmet – ein Warnzeichen ist, wenn sich die Nasenflügel beim Atmen deutlich mitbewegen
- das Fieber länger als drei Tage anhält
- es schubweise oder wiederholt wiederkommt
- es trotz fiebersenkender Maßnahmen nicht sinkt
- Ihr Kind über längere Zeit nicht trinken will
- es ohne erkennbaren Grund anhaltend schreit und sich nicht beruhigen lässt
- es sehr schläfrig ist und sich nur schwer wecken lässt
- zum ersten Mal ein Fieberkrampf auftritt
- der Allgemeinzustand schlecht ist
- weitere Krankheitszeichen dazukommen: punktförmige Hauteinblutungen oder anderer Ausschlag, Nackensteifigkeit, starke Lichtempfindlichkeit, starke Kopfschmerzen, eine vorgewölbte Fontanelle beim Säugling, plötzliches Erbrechen, Teilnahmslosigkeit, Verwirrtheit, starke Unruhe, starker Durchfall, Schmerzen beim Harnlassen oder veränderter Uringeruch
Für solche Fälle halten wir täglich Termine frei – wie das läuft, steht unter Akuttermin. In einer Notfallsituation wählen Sie den Notruf 144 oder wenden sich an die nächste Notfallambulanz.
Was Sie zu Hause tun können
- Ruhe. Ein fieberndes Kind gehört nach Hause, nicht in den Kindergarten und nicht zum Sport. Bettruhe muss es nicht sein, ruhige Beschäftigung genügt.
- Regelmäßig trinken anbieten, etwa jede halbe Stunde. Geeignet sind Wasser, Tee und verdünnte Fruchtsäfte, bei Babys Muttermilch. Fieber erhöht den Flüssigkeitsbedarf, Erbrechen und Durchfall zusätzlich.
- Essen ist zweitrangig. Wenn Ihr Kind ein paar Tage weniger isst als sonst, ist das kein Grund zur Sorge – solange es ausreichend trinkt.
- Bei Schüttelfrost warm halten. Decke, warme Kleidung, warme Getränke.
- Danach nicht zu warm einpacken. Ist der Schüttelfrost vorbei und das Fieber hoch, soll sich die Hitze nicht stauen.
Wadenwickel und Medikamente
Wadenwickel kühlen von außen und sind ab etwa sechs Monaten geeignet. Zwei kleinere Handtücher mit lauwarmem, nicht kaltem Wasser befeuchten, um jeden Unterschenkel ein nasses und darüber ein trockenes Tuch wickeln, nach rund fünf Minuten erneuern, ein- bis zweimal wiederholen. Danach Fieber messen: Die Temperatur soll um höchstens ein Grad sinken. Vor einer Wiederholung etwa drei Stunden Pause.
Kühlende Wickel nur, wenn Ihr Kind richtig glüht. Bei kalten Händen und Füßen, bei Frieren oder Schüttelfrost dürfen sie nicht angewendet werden – dann heizt der Körper gerade auf, und Kühlen wirkt gegen ihn.
Fiebersenkende Medikamente sind ab einer rektal gemessenen Temperatur von 38,5 bis 39 °C sinnvoll – wobei immer auch der Allgemeinzustand zählt. Geht es Ihrem Kind bei 39 °C gut, muss nichts gegeben werden; wirkt es bei 38,5 °C schwer beeinträchtigt, schon. Verwendet werden Paracetamol und Ibuprofen, meist als Saft oder Zäpfchen. Bei Säuglingen bis zum vollendeten 3. Lebensmonat kommt ausschließlich Paracetamol in Frage; danach ist ab einem Gewicht von über fünf Kilogramm auch Ibuprofen möglich, das zusätzlich entzündungshemmend wirkt.
Die Dosierung richtet sich nach dem Körpergewicht, nicht nach dem Alter. Besprechen Sie Wirkstoff und Dosierung mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt – wir kennen das aktuelle Gewicht Ihres Kindes und rechnen es Ihnen beim Termin gerne aus. Beachten Sie zusätzlich die Packungsbeilage.
Acetylsalicylsäure darf Kindern nicht gegeben werden. Der Wirkstoff, bekannt vor allem aus Aspirin, kann bei Kindern schwere Leber- und Gehirnschäden auslösen – das sogenannte Reye-Syndrom. Das gilt auch dann, wenn das Mittel im Haushalt ohnehin vorhanden ist.
Und ein Punkt, der leicht untergeht: Fiebersenken lindert Beschwerden, behandelt aber nicht die Ursache. Steckt ein bakterieller Infekt dahinter, braucht es unter Umständen zusätzlich eine gezielte Behandlung.
Fieberkrampf
Ein Fieberkrampf ist eine besondere Reaktion des Nervensystems, ausgelöst meist durch einen sehr raschen Fieberanstieg. Betroffen sind vor allem Kinder zwischen sechs Monaten und sechs Jahren. Häufig fällt das Fieber überhaupt erst nach dem Krampf auf – der Anfall ist dann das erste Anzeichen.
Er wirkt bedrohlich: Das Kind verliert das Bewusstsein oder wirkt abwesend, verdreht die Augen oder starrt ins Leere, die Muskeln verkrampfen, der Körper wird steif, Arme und Beine zucken, Lippen und Gesicht können sich blau verfärben. Danach sind die Kinder meist müde und erschöpft.
In den allermeisten Fällen ist ein Fieberkrampf harmlos und geht nach wenigen Minuten von selbst vorüber. Obwohl er einem epileptischen Anfall ähnelt, hängt er nur sehr selten damit zusammen. Unkomplizierte Fieberkrämpfe – etwa zwei Drittel aller Fälle – dauern drei bis vier Minuten, höchstens fünfzehn. Von komplizierten spricht man, wenn der Krampf länger als fünfzehn Minuten dauert, auf eine Körperhälfte begrenzt bleibt, sich innerhalb von 24 Stunden wiederholt oder Lähmungen folgen.
Beim ersten Fieberkrampf: Notruf 144 wählen. Jeder erstmalige Fieberkrampf gehört ärztlich abgeklärt. Bei 20 bis 30 von 100 betroffenen Kindern tritt er bei späteren fieberhaften Infekten erneut auf – für diese Kinder verschreiben wir bei Bedarf krampflösende Zäpfchen für zu Hause.
Drei verbreitete Irrtümer
„Zahnen macht Fieber." Zahnen kann die Temperatur leicht anheben. Hohes Fieber erklärt es nicht – dahinter steckt dann etwas anderes, und das gehört angesehen.
„Je höher das Fieber, desto schwerer die Krankheit." Die Höhe sagt wenig über die Schwere. Ein Kind kann bei 39,5 °C munter sein und bei 38,2 °C richtig krank. Deshalb steht auf dieser Seite so oft der Allgemeinzustand im Vordergrund.
„Fieber muss runter." Muss es nicht. Fieber ist Teil der Abwehr, und es gibt keine Hinweise darauf, dass es den Verlauf verschlechtert. Gesenkt wird, damit es Ihrem Kind besser geht – nicht, weil die Zahl an sich gefährlich wäre. Eine Ausnahme sind chronisch kranke Kinder mit knappen Reserven; hier gelten eigene Absprachen.
Häufige Fragen
Mein Baby ist wenige Wochen alt und fiebert – wie schnell muss ich reagieren?
Sofort. Bei Neugeborenen gilt Fieber über 38 °C als Grund für eine umgehende ärztliche Untersuchung, ohne Wartefrist. Der Grund: Gerade die Kleinsten können auf eine schwere Infektion mit nur wenig erhöhter Temperatur reagieren, und der Verlauf kann rasch sein.
Ab welcher Temperatur soll ich fiebersenkende Mittel geben?
Als Richtwert gelten 38,5 bis 39 °C rektal gemessen – aber der Allgemeinzustand entscheidet mit. Geht es Ihrem Kind bei 39 °C gut, braucht es nichts. Wirkt es bei 38,5 °C schwer beeinträchtigt, ist ein Mittel sinnvoll. Wirkstoff und Dosierung besprechen Sie mit uns, die Dosis richtet sich nach dem Körpergewicht.
Darf ich meinem Kind Aspirin geben?
Nein. Acetylsalicylsäure kann bei Kindern das Reye-Syndrom auslösen, eine seltene, aber schwere Schädigung von Leber und Gehirn. Für Kinder kommen Paracetamol und Ibuprofen in Frage, bei Säuglingen bis zum vollendeten 3. Lebensmonat ausschließlich Paracetamol.
Wann darf mein Kind wieder in den Kindergarten?
Wenn es fieberfrei ist und sich wieder wohlfühlt. Ein Kind, das noch fiebert, gehört nach Hause – auch dem eigenen Erholungsbedarf zuliebe und weil viele fieberhafte Infekte ansteckend sind. Bei einzelnen Erkrankungen gelten eigene Fristen, die besprechen wir im konkreten Fall – für die Hand-Fuß-Mund-Krankheit etwa steht die Antwort auf einer eigenen Seite.
Kann Fieber nach einer Impfung auftreten?
Ja, und es ist eine harmlose Folgereaktion: Das Immunsystem bildet Abwehrstoffe, dabei kann die Temperatur steigen. Meist klingt es innerhalb von ein bis zwei Tagen ab. Was bei welcher Impfung zu erwarten ist, steht auf der jeweiligen Seite – einen Überblick gibt Impfungen für Kinder.
Woran erkenne ich, dass mein Kind zu wenig trinkt?
An der Windel und am Kind. Wenn es deutlich seltener uriniert als sonst, beim Weinen keine Tränen mehr kommen, Lippen und Mund trocken wirken oder Ihr Kind auffällig schlapp ist, sind das Zeichen für einen Flüssigkeitsmangel. Dann bitte nicht zuwarten.
Wenn Ihr Kind rasch gesehen werden soll, lesen Sie unter Akuttermin, wie das bei uns abläuft. Termine für nicht dringende Anliegen vereinbaren Sie über die Online-Terminvereinbarung. Beginnt das Fieber mit Bläschen an Händen, Füßen oder im Mund, führt die Hand-Fuß-Mund-Krankheit weiter. Was wir sonst anbieten, steht unter Leistungen, und wer bei uns Kinder betreut, sehen Sie unter Kinderarzt.
Quellen
- Fieber bei Kindern – Gesundheitsportal des Bundes, Stand 31.08.2022, fachlich geprüft von einem Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde
- Notfall bei Kindern: Fieber und Fieberkrampf – Gesundheitsportal des Bundes, Erste Hilfe bei Kindernotfällen
Zuletzt aktualisiert: September 2026