Neurodermitis (atopische Dermatitis)

Neurodermitis ist eine Hauterkrankung, die in Schüben verläuft und stark juckt. Sie beginnt meist im ersten Lebensjahr, und viele Eltern kommen damit zu uns in die Kinderarztpraxis Schumanngasse in Wien 1170. Diese Seite erklärt, wie die Erkrankung verläuft, was einen Schub auslösen kann und was im Alltag hilft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Etwa 13 von 100 Kindern sind zumindest zeitweise betroffen.
  • Neurodermitis ist nicht ansteckend.
  • Die meisten Fälle heilen bis zur Pubertät ab. Eine Neigung zu trockener Haut bleibt.
  • Die tägliche Basispflege ist der Kern der Behandlung – auch dann, wenn die Haut gerade ruhig ist.
  • Den Juckreiz behandelt man, indem man die Entzündung behandelt.

Was ist Neurodermitis?

Der Fachbegriff lautet atopische Dermatitis. Er setzt sich zusammen aus Atopie – der anlagebedingten Bereitschaft, auf bestimmte äußere Stoffe ohne klar ersichtlichen Grund überempfindlich zu reagieren – und Dermatitis, der Entzündung der Haut. In der Fachliteratur gilt der Begriff Neurodermitis als überholt; im Alltag ist er weiterhin der geläufige, deshalb steht er hier im Titel.

Es handelt sich um eine chronische oder immer wiederkehrende, nicht ansteckende Hauterkrankung. Wie sie aussieht und wo sie auftritt, hängt vom Alter ab. Die meisten Kinder haben eine leichtere Form; je nach Ausdehnung kann es aber auch eine schwere Erkrankung sein, die die Lebensqualität deutlich und langfristig beeinträchtigt.

Hinter den Beschwerden steht eine gestörte Schutzbarriere der Haut, unter anderem durch eine Veränderung im Filaggrin-Gen. Allergene und reizende Stoffe dringen dadurch leichter ein.

Bei einem großen Teil der Betroffenen – je nach Studie fünf bis acht von zehn – lassen sich Sensibilisierungen vom IgE-Typ gegen Pollen, Tierhaare, Milben oder Nahrungsmittel nachweisen, oft zusammen mit Heuschnupfen, allergischem Asthma oder einer Nahrungsmittelallergie. Daneben gibt es eine Form ohne solche Sensibilisierung, die im Hautbild gleich aussieht.

Wie häufig ist sie, und vererbt sie sich?

Etwa 13 von 100 Kindern sind zumindest zeitweise betroffen, bei Erwachsenen sind es etwa 2 von 100. Bei sechs von zehn betroffenen Kindern zeigen sich die ersten Zeichen im ersten Lebensjahr.

Wer in der Familie betroffen ist Wahrscheinlichkeit für das Kind
beide Elternteile etwa 75 von 100
ein Elternteil etwa 30 bis 50 von 100

Wächst sich das aus?

Bei etwa der Hälfte der betroffenen Säuglinge lassen sich die Beschwerden bis zum Ende des zweiten Lebensjahres zum Verschwinden bringen. Die meisten Fälle heilen bis zur Pubertät ab – eine Neigung zu trockener Haut bleibt aber bestehen.

Auch danach kann das Ekzem wieder aufblühen, etwa bei Stress, durch äußere Reize oder im Rahmen einer anderen Erkrankung. Ein solcher Schub kann Wochen bis Monate anhalten. Dass die Erkrankung in Schüben verläuft, gehört zu ihr – ein Rückfall ist kein Zeichen dafür, dass etwas falsch gemacht wurde.

Wie sieht Neurodermitis aus?

Typisch ist der Verlauf in Schüben: Phasen mit Ekzemen wechseln sich mit beschwerdefreien Zeiten ab. Die Ekzeme zeigen sich als Rötung, Schwellung, Bläschenbildung, Schuppung oder Nässen. Dazu kommt eine allgemein trockene Haut.

Eine besondere Form ist das Lutsch- und Schleckekzem: Durch Lippenschlecken und Schnuller entsteht mehr Speichelfluss, vor allem rund um den Mund rötet sich die Haut.

Wo die Ekzeme auftreten, hängt vom Alter ab:

Alter Typische Stellen
Säuglinge entzündliche oder trockene Hautstellen im Gesicht und am Kopf sowie an den Streckseiten von Armen und Beinen
Kleinkinderab dem Kindergartenalter Ellenbeugen und Kniekehlen, seitlich am Nacken, an Hand- und Fußgelenken; dazu eine sehr trockene Kopfhaut

Warum juckt es so stark?

Der Juckreiz wird von Kindern und Eltern als das Quälendste an der Erkrankung erlebt. Er führt in einen Kreislauf: Kratzen verschlimmert die Hautschäden, und die geschädigte Haut juckt wieder stärker.

Der wirksamste Hebel gegen den Juckreiz ist, die Entzündung zu behandeln. Antihistaminika sind dafür nicht das Mittel der Wahl: Von einer Dauerbehandlung des Juckreizes mit Antihistaminika – ob als Tablette oder als Creme – rät die aktuelle Leitlinie ausdrücklich ab.

Wann Sie nicht abwarten sollten. Auf der vorgeschädigten Haut siedeln sich leichter Bakterien, Viren und Pilze an. Wenn sich Bläschen mit gelblicher Flüssigkeit und Krusten bilden, sich die Ekzeme rasch ausbreiten oder Ihr Kind dabei Fieber bekommt, lassen Sie das bitte rasch ansehen – rufen Sie uns an, oder wenden Sie sich außerhalb unserer Zeiten an die nächste Kinderabteilung.

Was löst einen Schub aus?

  • Stress – seelische Belastung wirkt sich unmittelbar auf die Haut aus.
  • Äußere Reize, etwa Putz- und Reinigungsmittel oder kratzige Kleidung.
  • Tabakrauch. Rauchfreiheit gehört zur Vorbeugung von Schüben.
  • Andere Erkrankungen.
  • Allergene – Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, Nahrungsmittel. Hier gilt allerdings: Nicht jede nachgewiesene Sensibilisierung ist auch ein Auslöser.

Sport und Bewegung sind ausdrücklich erwünscht. Die körperliche Aktivität soll bei Neurodermitis nicht eingeschränkt werden.

Wie wird die Diagnose gestellt?

In den meisten Fällen genügt der Blick auf die Haut – untersucht wird dabei die gesamte Haut, nicht nur die auffällige Stelle. Dazu kommt das Gespräch über die Familie: Heuschnupfen, Asthma und Ekzeme bei Eltern oder Geschwistern sind ein wichtiger Hinweis. Und wir suchen gemeinsam nach möglichen Auslösern – seelischen, ernährungsbedingten oder aus der Umgebung.

Ein ungezieltes Allergie-Screening machen wir nicht. Allergietests haben ihren Platz, wenn Anamnese oder Beschwerdebild dafür sprechen – nicht als Routine bei jedem Kind. Auch Laborwerte wie das Gesamt-IgE sagen nichts darüber aus, wie schwer die Erkrankung ist, und werden dafür nicht bestimmt.

Wird eine Sensibilisierung gefunden, heißt das noch nicht, dass sie im Alltag eine Rolle spielt. Ob ein Nahrungsmittel tatsächlich Beschwerden auslöst, klärt sich nur durch gezieltes Weglassen und eine anschließende Testung – nicht durch den Laborwert allein.

Was hilft im Alltag?

Neurodermitis ist eine Erkrankung, die viel Eigeninitiative verlangt. Die tägliche Basispflege ist der Kern der Behandlung – und der Teil, den Sie zu Hause übernehmen.

  • Rückfettende Pflege mindestens zweimal täglich, auch wenn die Haut gerade ruhig ist. Gerade das verhindert Schübe.
  • Nur kurze Bäder oder Duschen mit mäßig warmem Wasser.
  • Keine alkalischen Seifen. Reinigen Sie nur so viel wie nötig.
  • Sofort nach dem Baden eincremen. Die Haut vorher nur abtupfen, nicht reiben.
  • Im Sommer leichtere, im Winter fettreichere Präparate.
  • Fingernägel kurz schneiden.
  • Weiche Kleidung – keine rauen, groben Fasern wie Wolle.
  • Keine überheizten Räume, dafür frische Luft.
  • Rauchfreie Umgebung.

Reines Kokos- oder Olivenöl ist keine Hautpflege. Werden solche reinen Öle statt einer Emulsion verwendet, trocknet die Haut sogar stärker aus. Badeöle sollten außerdem keine allergenen Eiweiße enthalten – bei Erdnuss- und Kokosnusszubereitungen kann das Risiko einer Sensibilisierung steigen. Bei Säuglingen wird auch Harnstoff in der Pflege gemieden, er kann die Haut reizen.

Welche Behandlungen gibt es?

Die Behandlung richtet sich nach Alter, Schweregrad, betroffener Körperstelle und Lebenssituation. Sie wird immer individuell zusammengestellt – am besten als schriftlicher Therapieplan, den Sie mit nach Hause nehmen.

Baustein Wozu er dient
Basispflege täglich, dauerhaft, am ganzen Körper – auch in beschwerdefreien Zeiten. Sie stellt die Hautbarriere wieder her.
Kortison auf der Haut das Mittel der ersten Wahl im akuten Schub. Bei Kindern werden in der Regel schwach bis mittelstark wirksame Präparate verwendet.
Calcineurinhemmerauch topische Immunmodulatoren genannt bevorzugt an heiklen Stellen – Gesicht, Hautfalten, Windelbereich – sowie dann, wenn Kortison nicht wirkt oder nicht infrage kommt
Vorbeugende Behandlungin der Regel zweimal wöchentlich Nach dem Abklingen eines Schubs werden die zuvor entzündeten Stellen weiterbehandelt, um den nächsten Schub hinauszuzögern. Möglich mit Kortison oder mit einem Calcineurinhemmer.
Behandlung von Hautinfektionen gezielt gegen den jeweiligen Erreger, meist Staphylococcus aureus
Umgang mit Stress gehört zur Behandlung, nicht daneben. Bei Bedarf beraten wir zu weiterführender Unterstützung.

Bei schweren Verläufen, die auf die Behandlung der Haut nicht ausreichend ansprechen, gibt es heute auch für Kinder ab dem Alter von sechs Monaten Medikamente, die von innen wirken. Ob das infrage kommt, wird nach festgelegten Kriterien geprüft und mit Ihnen besprochen.

Sorgen wegen Kortison sprechen Sie bitte an. Viele Eltern zögern, und das ist verständlich. Diese Bedenken gehören ins Gespräch – zur richtigen Anwendung gehört auch, dass Sie wissen, wie viel Salbe wie lange und wo aufgetragen wird. Eine Fingerspitzeneinheit – der Salbenstrang vom letzten Fingergelenk bis zur Zeigefingerkuppe, etwa ein halbes Gramm – reicht für eine Fläche von zwei Handflächen eines Erwachsenen.

Und die Impfungen?

Kinder mit Neurodermitis sollen regulär nach dem Impfplan geimpft werden. Die Hauterkrankung ist kein Grund, Impfungen auszulassen oder zu verschieben.

Eine Ausnahme: Ist die Haut gerade im akuten Schub, kann es sinnvoll sein, die Impfung zu verschieben, bis sich der Hautbefund bestmöglich beruhigt hat. Das entscheiden wir gemeinsam beim Termin.

Häufige Fragen

Ist Neurodermitis ansteckend?

Nein. Neurodermitis ist eine nicht ansteckende Hauterkrankung. Ihr Kind kann Kindergarten und Schule ohne Einschränkung besuchen, und auch Sport und Schwimmen sind ausdrücklich erwünscht.

Wächst sich Neurodermitis aus?

Meistens ja. Bei etwa der Hälfte der betroffenen Säuglinge lassen sich die Beschwerden bis zum Ende des zweiten Lebensjahres zum Verschwinden bringen, und die meisten Fälle heilen bis zur Pubertät ab. Eine Neigung zu trockener Haut bleibt.

Bekommt mein Kind Neurodermitis, wenn ich sie habe?

Nicht zwangsläufig, aber die Wahrscheinlichkeit steigt: Ist ein Elternteil betroffen, liegt sie bei etwa 30 bis 50 von 100. Sind es beide, bei etwa 75 von 100.

Darf mein Kind baden?

Ja, aber kurz und mit mäßig warmem Wasser, ohne alkalische Seife und nur so oft wie nötig. Danach die Haut abtupfen, nicht reiben, und sofort eincremen.

Muss mein Kind eincremen, auch wenn die Haut gerade gut ist?

Ja, und das ist der wichtigste Punkt überhaupt. Die rückfettende Pflege wirkt vor allem vorbeugend: Sie hält die Hautbarriere in Ordnung und verhindert dadurch Schübe. In beschwerdefreien Zeiten aufzuhören ist der häufigste Grund, warum es wieder losgeht.

Wenn die Haut Ihres Kindes eine fachärztliche Abklärung braucht, finden Sie unser Angebot unter Kinderdermatologie; wer bei uns Kinderhaut behandelt, sehen Sie unter Hautärztin. Einen Termin vereinbaren Sie über die Kinderarztordination.

Quellen

Zuletzt aktualisiert: September 2026