Pneumokokken
Pneumokokken sind Bakterien, die Lungenentzündung, Blutvergiftung, Hirnhautentzündung und – gerade bei Kindern – Mittelohrentzündung auslösen können. Am stärksten gefährdet sind Säuglinge und Kleinkinder. Deshalb beginnt die Impfung früh: schon ab der vollendeten sechsten Lebenswoche. In der Kinderarztpraxis Schumanngasse in Wien 1170 impfen alle unsere Kinderfachärztinnen und Kinderfachärzte dagegen.
Das Wichtigste in Kürze
- Drei Impfungen im ersten Lebensjahr, nach dem sogenannten 2+1-Schema.
- Die erste ab der vollendeten 6. Lebenswoche – spätestens bis zum vollendeten 3. Lebensmonat.
- Kostenfrei im Kinderimpfprogramm.
- Für gesunde Kinder sind danach keine weiteren Auffrischungen vorgesehen.
- Die Impfung kann gemeinsam mit den anderen Kinderimpfungen verabreicht werden.
Was sind Pneumokokken?
Pneumokokken sind Bakterien der Art Streptococcus pneumoniae. Übertragen werden sie von Mensch zu Mensch über Tröpfchen in der Atemluft – beim Sprechen, Husten oder Niesen.
Es gibt mehr als 95 verschiedene Pneumokokken-Stämme, die krank machen können. Manche treten vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern auf, andere bei größeren Kindern und Erwachsenen.
Besonders gefährdet sind Säuglinge und Kleinkinder, Menschen über 60 und Menschen mit bestimmten gesundheitlichen Risiken.
Welche Erkrankungen können sie auslösen?
| Erkrankung | Was dabei passiert |
|---|---|
| Lungenentzündung | beginnt mit hohem Fieber, schwerem Krankheitsgefühl, Husten und Atemnot. Die Bakterien können sich von dort im ganzen Körper ausbreiten – als Blutvergiftung. |
| Akute Mittelohrentzündung | vom Ohr ausgehend kann sie vor allem bei Kindern zu einer eitrigen Hirnhautentzündung führen oder zum Verschluss wichtiger Hirngefäße. |
| Eitrige Hirnhautentzündung | hohes Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheu und Nackensteifigkeit; dazu Bewusstseinsstörungen, Krämpfe, tiefe Bewusstlosigkeit bis hin zum Tod. |
Seltener betreffen Pneumokokken-Erkrankungen auch die Nebenhöhlen, die Herzinnenhaut, das Bauchfell und die Gelenke.
Warum wir früh impfen. Ein Großteil der schwer verlaufenden Pneumokokken-Erkrankungen betrifft Kinder unter fünf Jahren und Menschen über sechzig. Trotz Antibiotika und intensivmedizinischer Versorgung ist die Sterblichkeit bei einem schweren Verlauf hoch. Nach einer Pneumokokken-Hirnhautentzündung können dauerhafte Schäden zurückbleiben – Taubheit, Hirnschäden oder Lähmungen.
Ab wann und wie oft wird geimpft?
Die Impfung wird allen Kindern bis zum Alter von fünf Jahren empfohlen. Bei Säuglingen erfolgt sie nach dem 2+1-Schema: zwei Impfungen zum Aufbau, eine dritte als Abschluss.
| Schritt | Zeitpunkt |
|---|---|
| 1. Impfung | ehestmöglich ab der vollendeten 6. Lebenswoche, spätestens bis zum vollendeten 3. Lebensmonat |
| 2. Impfung | acht Wochen nach der ersten |
| 3. Impfung | im Alter von 11 bis 15 Monaten, frühestens sechs Monate nach der zweiten |
Der frühe Beginn ist der Kern der Sache. Damit schwere Erkrankungen bei den besonders gefährdeten kleinen Kindern gar nicht erst entstehen, soll die erste Impfung unbedingt bis zum vollendeten dritten Lebensmonat erfolgen.
Für gesunde Kinder sind danach keine weiteren Auffrischungen vorgesehen. Das unterscheidet die Pneumokokken-Impfung von anderen, etwa gegen Keuchhusten.
Frühgeborene bekommen eine Impfung mehr. Bei einer Geburt vor der 37. Schwangerschaftswoche besteht die Grundimmunisierung aus drei Impfungen im Abstand von vier bis acht Wochen, dazu die Abschlussimpfung mit 11 bis 15 Monaten.
Was, wenn wir später beginnen?
Dann richtet sich die Zahl der Impfungen nach dem Alter Ihres Kindes:
| Alter beim Beginn | Anzahl der Impfungen |
|---|---|
| 7 bis unter 12 Monate | drei – die ersten beiden im Abstand von mindestens einem Monat, die dritte ab dem 12. Lebensmonat |
| 12 Monate bis unter 2 Jahre | zwei, im Abstand von mindestens zwei Monaten |
| 2 bis unter 18 Jahre | eine |
Bei Kindern mit gesundheitlichen Risiken legen wir das Vorgehen individuell fest. Für diese Kinder ist die Impfung besonders wichtig – dazu der folgende Abschnitt.
Kinder mit erhöhtem Risiko
Für gesunde Kinder ist ab dem vollendeten 5. Lebensjahr keine Pneumokokken-Impfung mehr empfohlen. Für Kinder mit bestimmten Vorerkrankungen gilt das nicht: Sie haben ein höheres Risiko, überhaupt zu erkranken, und ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf. Der Impfplan Österreich zählt dazu unter anderem:
- Frühgeborene
- Kinder mit Gedeihstörung – also einem Körpergewicht unter der dritten Perzentile
- neurologische Erkrankungen wie Zerebralparesen oder Anfallsleiden
- ein Cochlea-Implantat oder eine Liquorfistel
- fehlende oder nicht funktionierende Milz, etwa bei Sichelzellanämie
- angeborene Immundefekte
- erworbene Immunschwäche, etwa bei HIV-Infektion oder unter immunsuppressiver Therapie
- vor und nach einer Organtransplantation, vor Beginn und während einer Behandlung mit Biologika
- nach Stammzelltransplantation oder CAR-T-Zell-Therapie
- onkologische und hämatoonkologische Erkrankungen
- behandlungsbedürftige chronische Erkrankungen von Herz, Kreislauf oder Atemwegen sowie Diabetes mellitus
Wie bei diesen Kindern geimpft wird
Zwei Dinge unterscheiden sich vom Vorgehen bei gesunden Kindern. Erstens werden Frühgeborene nach dem 3+1-Schema geimpft, also mit einer Teilimpfung mehr. Alle anderen Kinder mit erhöhtem Risiko bekommen dasselbe 2+1-Schema wie gesunde Kinder – nur soll die Grundimmunisierung ehestmöglich beginnen und nicht verzögert werden. Zweitens kommt danach ein zweiter Impfstoff dazu:
Eine Dosis PCV21 ab dem vollendeten 2. Lebensjahr. Nach abgeschlossener Grundimmunisierung folgt frühestens acht Wochen nach der letzten Impfung eine Dosis des 21-valenten Impfstoffs Capvaxive. Er deckt weitere Pneumokokken-Typen ab, die im Kinderimpfstoff nicht enthalten sind. Wurde die Erstimpfung verspätet begonnen, gilt dieselbe Regel: einmalig PCV21, mindestens acht Wochen nach der letzten Pneumokokken-Impfung.
Neu seit dem Impfplan 2026/2027: Der bisher übliche Polysaccharid-Impfstoff Pneumovax 23 wird ab dem vollendeten 2. Lebensjahr nicht mehr empfohlen – er ist durch Capvaxive abgelöst. Wenn Ihr Kind früher nach dem alten Schema geimpft wurde, ist das kein Problem und muss nicht rückgängig gemacht werden; wir sehen im Impfpass nach, was noch fehlt.
Wie es danach weitergeht, ist offen. Der Impfplan hält ausdrücklich fest, dass derzeit nicht bekannt ist, wann nach einer Impfung mit PCV21 die nächste Auffrischung nötig sein wird. Die früher übliche Wiederholung in festen Abständen gibt es damit nicht mehr – stattdessen wird im Einzelfall entschieden und der Impfplan beobachtet.
Ob und wann Ihr Kind diese erweiterte Abfolge braucht, hängt von der Grunderkrankung und dem bisherigen Impfverlauf ab. Das legen wir gemeinsam mit Ihnen und den behandelnden Spezialistinnen und Spezialisten fest – bringen Sie zum Termin den Impfpass und vorhandene Befunde mit.
Was kostet die Pneumokokken-Impfung?
Die Impfung ist kostenfrei. Sie steht seit vielen Jahren im kostenfreien Kinderimpfprogramm von Bund, Ländern und Sozialversicherung zur Verfügung.
Für die ärztliche Leistung fällt nichts zusätzlich an. Ein Impftermin ist bei uns ein gewöhnlicher Ordinationstermin – es gilt das Honorar der Kinderarztordination, unabhängig davon, wie viele Impfungen an diesem Tag verabreicht werden.
Welche Impfreaktionen sind möglich?
Die folgenden Angaben stammen aus der Gebrauchsinformation des Impfstoffs, der im österreichischen Kinderimpfprogramm verwendet wird.
| Häufigkeit | Was auftreten kann |
|---|---|
| sehr häufigmehr als 1 von 10 |
|
| häufigbis zu 1 von 10 |
|
| gelegentlichbis zu 1 von 100 |
|
Bei Zeichen einer allergischen Reaktion – pfeifende Atmung, Atembeschwerden, Anschwellen von Gesicht, Lippen oder Zunge, Quaddeln oder Ausschlag – sofort ärztliche Hilfe holen. Solche Reaktionen treten fast immer unmittelbar nach der Impfung auf, also in der Zeit, in der Sie noch bei uns sind.
Häufige Fragen
Kann die Pneumokokken-Impfung gemeinsam mit den anderen Impfungen gegeben werden?
Ja. Der Impfstoff kann gleichzeitig mit den übrigen Kinderimpfungen verabreicht werden, etwa mit der Sechsfach-Impfung. Verschiedene Impfstoffe werden dabei an unterschiedlichen Stellen gespritzt.
Mein Kind ist erkältet – kann es trotzdem geimpft werden?
Ein leichtes Fieber oder ein leichter Infekt wie eine Erkältung ist kein Grund, die Impfung zu verschieben. Bei hohem Fieber oder einer schwereren Infektion warten wir, bis Ihr Kind wieder gesund ist. Wir sehen es vor jeder Impfung an.
Braucht mein Kind später eine Auffrischung?
Für gesunde Kinder sind nach der Grundimmunisierung keine weiteren Auffrischungen vorgesehen. Kinder mit bestimmten gesundheitlichen Risiken bekommen ab dem vollendeten 2. Lebensjahr zusätzlich eine Dosis PCV21. Wann danach die nächste Auffrischung nötig ist, ist laut Impfplan derzeit nicht bekannt – das entscheiden wir im Einzelfall.
Wir haben den Impfbeginn verpasst – ist es zu spät?
Nein. Die Zahl der nötigen Impfungen richtet sich dann nach dem Alter Ihres Kindes: drei zwischen sieben und zwölf Monaten, zwei bis zum zweiten Geburtstag, danach eine. Empfohlen ist die Impfung für alle Kinder bis fünf Jahre.
Alles zu unserem Impfangebot steht unter Impfungen. Wie es sich mit der Keuchhusten-Impfung verhält, lesen Sie unter Keuchhusten. Wer bei uns impft, sehen Sie unter Kinderarzt.
Quellen
- Impfplan Österreich 2026/2027, Version 1.0 vom 17.09.2026 – Kapitel Pneumokokken, Sozialministerium und Nationales Impfgremium
- Pneumokokken und Pneumokokken-Impfung, impfen.gv.at, Bundesministerium für Gesundheit
- Gebrauchsinformation des Pneumokokken-Impfstoffs, bereitgestellt vom Sozialministerium
Zuletzt aktualisiert: September 2026