Respiratory Syncytial Virus (RSV)

RSV ist ein weit verbreitetes Atemwegsvirus. Bei älteren Kindern und gesunden Erwachsenen verläuft eine Infektion meist wie eine gewöhnliche Erkältung – bei Säuglingen kann sie schwer werden. Bei Kindern ist RSV der häufigste Grund für einen Krankenhausaufenthalt in den Wintermonaten. Seit einigen Jahren gibt es dagegen einen Schutz für alle Babys, und er ist kostenfrei. In der Kinderarztpraxis Schumanngasse in Wien 1170 immunisieren wir vor jeder RSV-Saison.

Das Wichtigste in Kürze

  • Empfohlen für alle Neugeborenen und Säuglinge in ihrer ersten RSV-Saison – nicht nur für Risikokinder.
  • Die RSV-Saison dauert von 1. Oktober bis 31. März.
  • Es ist keine Impfung, sondern eine passive Immunisierung mit fertigen Antikörpern.
  • Eine einmalige Injektion pro Saison – nicht monatlich.
  • Kostenfrei im Impfprogramm des Bundes, der Bundesländer und der Sozialversicherung.
  • Babys, die zwischen April und September geboren wurden, immunisieren wir in der Ordination – vor Beginn ihrer ersten Saison.

Was ist RSV?

RSV steht für Respiratorisches Synzytial-Virus. Es ist hoch ansteckend und wird von Mensch zu Mensch übertragen, vor allem durch Tröpfchen in der Atemluft, aber auch durch Schmierinfektion über Hände und Gegenstände.

Die Erstinfektion erfolgt gewöhnlich in den ersten beiden Lebensjahren. Nahezu alle Kinder machen bis zum zweiten Geburtstag mindestens eine RSV-Infektion durch. Erneute Infektionen treten danach altersunabhängig häufig auf.

Zwischen Ansteckung und den ersten Beschwerden vergehen etwa vier bis fünf Tage. In Österreich häufen sich die Erkrankungen saisonal in den Wintermonaten.

Wie verläuft eine RSV-Erkrankung?

Der Verlauf ist sehr unterschiedlich. Meist beginnt er unspezifisch – Schnupfen, Husten, erhöhte Temperatur, dazu kommen häufig Mittelohrentzündungen. Die Erkrankung ist üblicherweise selbstlimitierend, sie heilt also von selbst aus.

Nach einigen Tagen kann sich das Virus jedoch auf die unteren Atemwege ausbreiten. Dann kommen Husten und beschleunigte, angestrengte Atmung dazu. Es kann zu einer Lungenentzündung oder einer Bronchiolitis kommen – einer Entzündung der kleinen Atemwege in der Lunge.

Bei Säuglingen ist RSV die Hauptursache für eine akute Bronchiolitis, die wegen Atemnot oft im Spital behandelt werden muss. Bei Kindern ist eine RSV-Erkrankung überhaupt der häufigste Grund für einen Krankenhausaufenthalt in den Wintermonaten. Schätzungen zufolge erkranken jedes Jahr mehrere tausend Kinder in Österreich an RSV.

Besonders gefährdet sind Frühgeborene sowie Kinder mit angeborenen Herzfehlern, Lungenerkrankungen oder neuromuskulären Erkrankungen.

Impfung oder passive Immunisierung – wo ist der Unterschied?

Der Unterschied ist wichtig, weil er erklärt, warum der Schutz sofort da ist und warum er nur eine Saison hält.

  Impfung (aktive Immunisierung) Passive Immunisierung
Was wird verabreicht? ein Impfstoff, der das Immunsystem anregt fertige Antikörper
Woher kommt der Schutz? Die Antikörper müssen erst vom Immunsystem gebildet werden. Die Antikörper sind bereits fertig und wirken sofort.Sie binden an bestimmte Stellen des Virus und hindern es daran, in menschliche Zellen einzudringen.
Wie oft wird sie gegeben? je nach Impfung unterschiedlich eine Gabe je RSV-Saison

Bei RSV bekommt Ihr Baby also keine Impfung im eigentlichen Sinn, sondern fertige Antikörper. Im Alltag – und auch bei uns in der Ordination – wird trotzdem oft von der „RSV-Impfung" gesprochen. Das derzeit verwendete Präparat heißt Beyfortus (Wirkstoff Nirsevimab).

Wer bekommt die passive Immunisierung?

Die Immunisierung ist empfohlen für Neugeborene und Säuglinge während ihrer ersten RSV-Saison. Zusätzlich für bestimmte Kleinkinder bis zum Alter von 24 Monaten, die während ihrer zweiten RSV-Saison weiterhin anfällig für eine schwere RSV-Erkrankung sind.

Das ist die wichtigste Änderung der letzten Jahre: Der Schutz ist nicht mehr Risikokindern vorbehalten, sondern allgemein für alle Babys empfohlen – und er wird nicht mehr monatlich verabreicht, sondern als einmalige Injektion pro Saison.

Wann wird immunisiert?

Die RSV-Immunisierung wird zwischen 1. Oktober und 31. März verabreicht. Dieser Zeitraum ist als RSV-Saison definiert. Der richtige Zeitpunkt hängt davon ab, wann Ihr Kind geboren wurde.

Geburt Zeitpunkt
zwischen Oktober und März, also während der Saison innerhalb der ersten Lebenswoche, vor der Entlassung aus dem Krankenhaus
zwischen April und September, also außerhalb der Saison vor der ersten RSV-Saison – bei uns in der Ordination
Risikokinder bis 24 Monate zusätzlich in der zweiten RSV-Saison

Verabreicht wird eine einmalige Injektion in den Muskel, in der Regel in den äußeren Bereich des Oberschenkels. Die Menge richtet sich in der ersten Saison nach dem Körpergewicht.

Eine frische RSV-Infektion schließt die Immunisierung übrigens nicht aus – sie ist in der Saison auch dann empfohlen. Und sie lässt sich mit jeder anderen Impfung an einem Termin kombinieren.

Was gilt, wenn ich in der Schwangerschaft gegen RSV geimpft wurde?

Dann hängt es davon ab, wann Ihr Kind geboren wurde und wie lange die Impfung vor der Geburt zurücklag.

Situation Empfehlung
Geburt zwischen Oktober und März, Impfung spätestens 2 Wochen vor der Geburt Das Neugeborene hat durch die mütterliche Impfung bereits Schutz – eine zusätzliche Immunisierung ist nicht nötig.
Geburt zwischen Oktober und März, Impfung weniger als 2 Wochen vor der Geburt Eine zusätzliche passive Immunisierung wird empfohlen.
Geburt zwischen April und September Eine zusätzliche passive Immunisierung wird empfohlen.
Frühgeborene und Risikokinder sollten unabhängig von der mütterlichen Impfung geschützt werden

Hat Ihr Kind bereits Synagis erhalten, kann die passive Immunisierung frühestens einen Monat nach der letzten Synagis-Dosis erfolgen – vorausgesetzt, die RSV-Saison ist noch nicht zu Ende. Synagis war das Vorgängerpräparat, das monatlich verabreicht werden musste; ohne besondere Indikation wird es heute nicht mehr empfohlen.

Eine Impfung in der Schwangerschaft schützt immer nur dieses eine Kind. Bei einer weiteren Schwangerschaft braucht das nächste Kind wieder seinen eigenen Schutz.

Was kostet die RSV-Immunisierung?

Sie ist kostenfrei. Die passive Immunisierung gegen RSV steht im Herbst und Winter im kostenfreien Impfprogramm des Bundes, der Bundesländer und der Sozialversicherung zur Verfügung.

Für die ärztliche Leistung fällt nichts zusätzlich an. Ein Impftermin ist bei uns ein gewöhnlicher Ordinationstermin – es gilt das Honorar der Kinderarztordination, unabhängig davon, wie viele Impfungen an diesem Tag verabreicht werden.

Wie kann ich mein Baby sonst noch schützen?

Der wirksamste Schutz ist die passive Immunisierung. Daneben helfen einfache Maßnahmen, gerade in den ersten Lebensmonaten:

  • Hände waschen – vor jedem Kontakt mit dem Baby, auch von Besuch und Geschwistern.
  • Gebrauchte Papiertaschentücher sofort wegwerfen.
  • Spielzeug reinigen und Oberflächen sauber halten, besonders wenn jemand in der Familie erkältet ist.
  • Kleinkinder getrennt von Säuglingen schlafen lassen.
  • Besuch mit Erkältung bitten, den Besuch zu verschieben.
  • Räume meiden, in denen geraucht wird.
  • Menschenansammlungen meiden, etwa Einkaufszentren während der RSV-Saison.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Gelegentliche Nebenwirkungen – sie können bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen:

Reaktion Häufigkeit
Hautausschlaginnerhalb von 14 Tagen nach der Anwendung 0,7 %
Reaktion an der EinstichstelleRötung, Schwellung, Schmerzen 0,6 %
Fieber 0,4 %

Nicht angewendet werden sollte die passive Immunisierung, wenn Ihr Kind gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile allergisch ist. Sprechen Sie das bitte vor dem Termin mit uns ab.

Häufige Fragen

Ist die RSV-Immunisierung nur für Risikokinder?

Nein. Sie ist allgemein für alle Neugeborenen und Säuglinge während ihrer ersten RSV-Saison empfohlen. Zusätzlich für bestimmte Kleinkinder bis 24 Monate, die in ihrer zweiten Saison weiterhin anfällig für eine schwere Erkrankung sind. Frühere Empfehlungen galten tatsächlich nur für Risikogruppen – das ist überholt.

Muss die Immunisierung jeden Monat wiederholt werden?

Nein. Verabreicht wird eine einmalige Injektion in den Muskel, in der Regel in den äußeren Bereich des Oberschenkels. Die monatliche Gabe stammt aus einem älteren Verfahren und ist nicht mehr die Regel.

Mein Baby ist im Sommer geboren – wann kommen wir?

Kinder, die zwischen 1. April und 30. September geboren wurden, sollten die Immunisierung vor ihrer ersten RSV-Saison erhalten, also vor dem 1. Oktober beziehungsweise zu Saisonbeginn. Das geschieht nicht im Krankenhaus, sondern in der Ordination. Vereinbaren Sie dafür bitte rechtzeitig einen Termin.

Kann mein Kind am selben Tag noch andere Impfungen bekommen?

Ja. Die passive Immunisierung gegen RSV lässt sich mit anderen Impfungen an einem Termin kombinieren. Auch eine gleichzeitige Impfung gegen Influenza ist möglich.

Ist die RSV-Immunisierung kostenpflichtig?

Nein. Sie steht im Rahmen des kostenfreien Impfprogramms des Bundes, der Bundesländer und der Sozialversicherung zur Verfügung. Für den Termin gilt das gewöhnliche Honorar der Kinderarztordination.

Alles zu unserem Impfangebot steht unter Impfungen. Zur selben Jahreszeit relevant ist die Grippeimpfung; gemeinsam möglich ist auch die Impfung gegen Pneumokokken. Wer bei uns impft, sehen Sie unter Kinderarzt.

Quellen

Zuletzt aktualisiert: September 2026