Feuchtblattern (Varizellen, Windpocken)

Windpocken – in Österreich meist Feuchtblattern genannt, fachlich Varizellen – gelten als harmlose Kinderkrankheit. Das Gesundheitsministerium widerspricht dem ausdrücklich: Die Erkrankung ist hochansteckend, langwierig und kann zu schweren Komplikationen führen. Diese Seite erklärt, wie sie verläuft, wann Ihr Kind wieder in den Kindergarten darf und wie geimpft wird. In der Kinderarztpraxis Schumanngasse in Wien 1170 impfen alle unsere Kinderfachärztinnen und Kinderfachärzte dagegen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Hochansteckend. Fünf Minuten im selben Raum genügen.
  • Ansteckend schon zwei Tage bevor der Ausschlag kommt – also bevor jemand etwas ahnt.
  • Erst wenn alle Bläschen verkrustet sind, darf Ihr Kind wieder in Kindergarten oder Schule.
  • Zwei Impfungen ab dem vollendeten 1. Lebensjahr, Mindestabstand vier Wochen.
  • Für Schwangere und Neugeborene ist die Erkrankung gefährlich – hier gilt besondere Vorsicht.

Was sind Windpocken?

Ausgelöst werden sie vom Varizellen-Zoster-Virus. Die Erstinfektion damit sind die Windpocken. Das Virus bleibt danach im Körper und kann Jahrzehnte später wieder aufflammen – dann heißt das Krankheitsbild Gürtelrose.

Etwa 95 von 100 Erwachsenen hatten im Lauf ihres Lebens Kontakt mit dem Virus. Fast alle, die zum ersten Mal damit in Berührung kommen, erkranken auch.

Wie ansteckend ist das wirklich?

Sehr. Die Viren werden beim Husten, Niesen und Sprechen übertragen, als Tröpfchen und über Kontakt – und sie fliegen mehrere Meter durch die Luft. Außerhalb des Körpers überleben sie je nach Umgebung bis zu einigen Stunden.

Als ansteckungsgefährlich gilt bereits: jeder Körperkontakt mit einer erkrankten Person – und der gemeinsame Aufenthalt in einem Raum für fünf Minuten oder länger.

Für Spielgefährtinnen, Spielgefährten und Familienmitglieder beginnt die Ansteckungsgefahr zwei Tage vor dem Ausbruch des Hautausschlags. In dieser Zeit weiß noch niemand, dass etwas im Anmarsch ist – deshalb lassen sich Windpocken im Kindergarten kaum aufhalten.

Wie verläuft die Erkrankung?

Zwischen Ansteckung und Ausbruch liegen 14 bis 21 Tage. Zunächst kommt es ein bis zwei Tage lang zu unspezifischen Beschwerden – Müdigkeit, Kopfschmerzen –, dann zu Fieber und einem stark juckenden Ausschlag am ganzen Körper.

Typisch sind mit Flüssigkeit gefüllte, bis linsengroße Bläschen, die später verkrusten. Sie beginnen am Rumpf und breiten sich auf Gesicht und behaarte Kopfhaut aus, auch auf Genitale und Schleimhäute. Charakteristisch ist, dass Bläschen, Papeln und Schorf gleichzeitig nebeneinander stehen – in ganz verschiedenen Stadien.

Bis alle Bläschen verkrustet sind, dauert es acht bis zehn Tage.

Wann darf mein Kind wieder in den Kindergarten?

Erst wenn die letzte Stelle sicher verkrustet ist. Verkrustete Bläschen sind nicht mehr infektiös – offene sehr wohl.

Weil die Ausschläge so lange ansteckend bleiben, können betroffene Kinder mitunter wochenlang keine Gemeinschaftseinrichtung besuchen. Das ist für viele Familien der Punkt, an dem aus einer „harmlosen Kinderkrankheit" ein echtes Problem wird.

Was hilft gegen den Juckreiz?

Behandelt werden die Beschwerden: örtlich mit Zinkschüttelmixturen, die den Juckreiz lindern und das Verkrusten fördern, dazu bei Bedarf fiebersenkende Medikamente. Was für Ihr Kind passt, besprechen wir beim Termin.

Windpocken sind keine harmlose Kinderkrankheit. Bei Menschen mit geschwächter Immunabwehr und bei Neugeborenen kann die Erkrankung schwer und manchmal tödlich verlaufen. Bis zu 20 von 100 Erwachsenen entwickeln als Komplikation eine Lungenentzündung. Dazu kommt eine Reihe möglicher Komplikationen am zentralen Nervensystem, von denen einige sehr schwer sein können.

Warum Schwangere besonders aufpassen müssen

Erkrankt eine Schwangere erstmals an Windpocken, kann auch das ungeborene Kind erkranken. Betroffen sein können Haut und Knochen, Gehirn und Augen. Schwangere sind außerdem besonders häufig von der Lungenentzündung als Komplikation betroffen.

Am schwersten verläuft die Erkrankung bei Neugeborenen, deren Mutter selbst nicht immun ist – bis zu 30 von 100 sterben daran.

Deshalb gilt: Ungeschützte Schwangere und Neugeborene sollen Kontakt zu Menschen mit Windpocken oder Gürtelrose meiden. Und deshalb ist die Impfung auch vor Eintritt einer Schwangerschaft empfohlen.

Ab wann und wie oft wird geimpft?

Wer Empfehlung
Kinder zwei Impfungen ab dem vollendeten 1. Lebensjahr, Mindestabstand vier Wochen – vor allem vor dem Eintritt in eine Gemeinschaftseinrichtung
9- bis 17-Jährige besonders empfohlen für alle, die bisher nicht geimpft wurden und keine Windpocken durchgemacht haben
vor einer Schwangerschaft empfohlen, weil eine Erstinfektion in der Schwangerschaft dem ungeborenen Kind schaden kann

Geimpft wird entweder mit einem Einzelimpfstoff oder in Kombination mit der Masern-Mumps-Röteln-Impfung. Was für Ihr Kind sinnvoll ist, hängt vom Alter und vom bisherigen Impfstatus ab.

Was kostet die Windpocken-Impfung?

Die Windpocken-Impfung ist nicht im kostenfreien Impfprogramm enthalten. Anders als etwa die Sechsfach- oder die Pneumokokken-Impfung wird sie nicht von Bund, Ländern und Sozialversicherung bereitgestellt – der Impfstoff ist selbst zu bezahlen. Sprechen Sie uns darauf an, wir sagen Ihnen, womit Sie rechnen müssen.

Für die ärztliche Leistung fällt nichts zusätzlich an. Ein Impftermin ist bei uns ein gewöhnlicher Ordinationstermin – es gilt das Honorar der Kinderarztordination, unabhängig davon, wie viele Impfungen an diesem Tag verabreicht werden.

Häufige Fragen

Wann darf mein Kind wieder in den Kindergarten?

Erst wenn die letzte Stelle sicher verkrustet ist. Bis dahin ist Ihr Kind ansteckend. Weil das acht bis zehn Tage dauert und die Ansteckungsgefahr schon zwei Tage vor dem Ausschlag beginnt, sollten Sie mit einer längeren Abwesenheit rechnen.

Mein Kind war im selben Raum wie ein krankes Kind – reicht das für eine Ansteckung?

Ja, das kann genügen. Als ansteckungsgefährlich gilt bereits ein gemeinsamer Aufenthalt von fünf Minuten oder länger im selben Raum, ebenso jeder Körperkontakt.

Ist es nicht besser, die Krankheit einfach durchzumachen?

Das Gesundheitsministerium sagt dazu klar: Windpocken sind keine harmlose Kinderkrankheit. Die Erkrankung ist langwierig, kann zu schweren Komplikationen führen, und betroffene Kinder können wochenlang keine Gemeinschaftseinrichtung besuchen. Für die Impfung spricht außerdem, dass sie gut verträglich ist.

Können Windpocken später wiederkommen?

Das Virus bleibt nach der Erkrankung im Körper. Flammt es später wieder auf, entsteht daraus keine zweite Windpocken-Erkrankung, sondern eine Gürtelrose.

Ist die Windpocken-Impfung kostenfrei?

Nein. Sie ist als einzige der empfohlenen Kinderimpfungen nicht im kostenfreien Impfprogramm von Bund, Ländern und Sozialversicherung enthalten. Der Impfstoff ist selbst zu bezahlen. Für den Termin gilt das gewöhnliche Honorar der Kinderarztordination.

Alles zu unserem Impfangebot steht unter Impfungen. Zu den weiteren Impfungen im Kindesalter lesen Sie unter Keuchhusten, Pneumokokken und Tetanus. Wer bei uns impft, sehen Sie unter Kinderarzt.

Quellen

Zuletzt aktualisiert: September 2026