HPV-Impfung
Die HPV-Impfung ist die einzige Impfung im österreichischen Kinderimpfprogramm, die unmittelbar vor Krebs schützt. Sie wird ab dem 9. Geburtstag empfohlen, lange bevor das Thema aktuell wird – und genau darin liegt ihr Sinn: Sie wirkt vorbeugend, nicht heilend. In der Kinderarztpraxis Schumanngasse in Wien 1170 impfen wir im Rahmen des öffentlichen Impfprogramms – der Impfstoff ist damit kostenfrei.
Das Wichtigste in Kürze
- Empfohlen ab dem 9. Geburtstag – am besten zwischen 9 und 12 Jahren.
- Für Mädchen und Burschen gleichermaßen. HPV betrifft beide Geschlechter.
- Der Impfstoff ist vom 9. bis zum 21. Geburtstag kostenfrei. Wir impfen im öffentlichen Programm.
- Zwei Teilimpfungen im Abstand von mindestens sechs, besser zwölf Monaten.
- Der Impfstoff ist Gardasil 9 und deckt neun HPV-Typen ab.
- Sie ersetzt die gynäkologische Vorsorge nicht – auch nicht Jahre später.
Wogegen die HPV-Impfung schützt
Humane Papillomaviren sind weltweit verbreitet und außerordentlich häufig: Mindestens 80 Prozent aller Menschen infizieren sich im Lauf ihres Lebens damit, unabhängig vom Geschlecht. In den meisten Fällen heilt die Infektion innerhalb von ein bis zwei Jahren von selbst ab, ohne dass jemand etwas davon merkt. Bleibt sie aber bestehen und handelt es sich um einen der krebserregenden Typen, können nach Jahren Zellveränderungen und daraus Krebs entstehen.
Von den mehr als 200 bekannten HPV-Typen gelten etwa 14 als krebserregend. Übertragen werden sie vor allem beim Geschlechtsverkehr, aber auch bei Petting und Oralverkehr. Kondome bieten keinen sicheren Schutz, weil einige Typen auch auf der Haut im Genital- und Analbereich vorkommen und bei Kontakt übertragen werden.
Was die Impfung verhindert. Sie senkt das Risiko für Gebärmutterhalskrebs und für Genitalwarzen um bis zu 90 Prozent. Deutlich gesenkt wird außerdem das Risiko für Krebs im Nasen-Rachen-Raum sowie an After, Penis, Scheide und Vulva. Allein die sieben krebserregenden Typen im Impfstoff verursachen gemeinsam rund 90 Prozent aller Gebärmutterhalskarzinome.
Warum so früh – schon ab 9 Jahren?
Weil die Impfung vorbeugend wirkt und nicht heilend. Sie kann eine bereits bestehende Infektion nicht behandeln. Ihr voller Nutzen entfaltet sich deshalb nur, wenn sie vor dem ersten Kontakt mit dem Virus gegeben wird – und das heißt in der Praxis: vor den ersten sexuellen Kontakten.
Dazu kommt ein zweiter Grund: Im Alter zwischen 9 und 12 Jahren reagiert das Immunsystem am besten. Der Impfschutz fällt höher aus und hält länger an als bei einer späteren Impfung. Deshalb genügen in diesem Alter auch zwei statt drei Teilimpfungen.
Für viele Eltern fühlt sich das früh an. Der Gedanke dahinter ist aber derselbe wie bei jeder anderen Impfung: Der Schutz muss stehen, bevor er gebraucht wird.
Warum auch Burschen geimpft werden
Die HPV-Impfung galt lange als Mädchenthema. Das ist sie nicht. Bei Männern sind Karzinome im Rachenraum die häufigste HPV-bedingte Krebserkrankung – rund 70 Prozent dieser Tumoren sind mit HPV assoziiert, bei Analkarzinomen sind es etwa 90 Prozent, beim Peniskarzinom rund 60 Prozent. In Österreich wurden im Jahr 2023 insgesamt 1.315 bösartige Neubildungen im Kopf- und Halsbereich neu diagnostiziert, über 70 Prozent davon bei Männern.
Dazu kommt: Für Männer gibt es keinen zugelassenen HPV-Test. Was bei Frauen die gynäkologische Vorsorge früh entdeckt, bleibt bei Männern unentdeckt, bis Beschwerden auftreten. Und schließlich unterbricht jede Impfung die Infektionskette – geimpfte Burschen schützen auch ihre späteren Partnerinnen und Partner.
Das Impfschema
| Alter bei der ersten Impfung | Teilimpfungen | Abstand |
|---|---|---|
| 9 bis unter 15 Jahre | 2 | mindestens 6, besser 12 Monate |
| 15 bis unter 30 Jahre | 2 | mindestens 6 Monate – wird früher geimpft, ist eine dritte Dosis nötig |
| ab 30 Jahren oder bei Immunschwäche | 3 | nach ärztlicher Beratung |
Die sechs Monate sind keine Empfehlung, sondern eine Bedingung. Liegt die zweite Teilimpfung weniger als sechs Monate nach der ersten, reicht der Schutz nicht aus – dann braucht es eine dritte. Wir planen den zweiten Termin deshalb gleich beim ersten mit. Ein größerer Abstand ist dagegen kein Problem: Bis zu zwölf Monate sind sogar günstiger für die Immunantwort.
Versäumte Impfungen sollen möglichst bald nachgeholt werden. Eine begonnene Serie muss nicht neu gestartet werden, egal wie lange die erste Teilimpfung her ist. Von einem Schutz kann etwa vier Wochen nach der letzten Teilimpfung ausgegangen werden.
Was die Impfung kostet
Vom 9. bis zum 21. Geburtstag ist der Impfstoff kostenfrei – er kommt aus dem öffentlichen Impfprogramm von Bund, Ländern und Sozialversicherung. Wir impfen im Rahmen dieses Programms, für den Impfstoff selbst zahlen Sie also nichts.
Für die ärztliche Leistung fällt nichts zusätzlich an. Ein Impftermin ist bei uns ein gewöhnlicher Ordinationstermin – es gilt das Honorar der Kinderarztordination, unabhängig davon, wie viele Impfungen an diesem Tag verabreicht werden.
Wie eine Impfung bei uns abläuft
- Zwei Termine, gleich gemeinsam geplant. Beim ersten Termin vereinbaren wir den zweiten mit, damit der Mindestabstand von sechs Monaten sicher eingehalten wird.
- Gemeinsam mit anderen Impfungen möglich. In dieselbe Altersgruppe fällt die Meningokokken-Impfung gegen ACWY, die ab dem vollendeten 10. Lebensjahr empfohlen und in diesem Fenster ebenfalls kostenfrei ist. Das lässt sich gut zusammenlegen.
- Impfpass mitbringen. Wir tragen die Impfung ein, sie erscheint auch im elektronischen Impfpass.
- Alter: Wir betreuen in erster Linie Kinder und Jugendliche. Wenn Sie älter sind und die Impfung nachholen möchten, sprechen Sie uns an – wir sehen uns das im Einzelfall an.
- Termine vereinbaren Sie über die Online-Terminvereinbarung oder telefonisch. Die Impfung wird in Wien teils auch im Rahmen von Schulimpfungen angeboten, meist in der vierten Schulstufe.
Welche Impfreaktionen sind möglich?
Wie nach jeder Impfung sind Rötung, Schwellung und Schmerzen an der Einstichstelle möglich, dazu kommen manchmal Kopfschmerzen oder Müdigkeit. Das klingt von selbst wieder ab. Die vollständige Aufstellung steht in der Gebrauchsinformation des Impfstoffs, die wir Ihnen beim Termin gerne zeigen. Wenn Sie nach der Impfung etwas beobachten, das Sie beunruhigt, rufen Sie uns an.
Die Impfung ersetzt die Vorsorgeuntersuchung nicht. Auch geimpfte Frauen sollen die gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen in den empfohlenen Abständen weiterhin wahrnehmen. Der Grund: Die Impfstoffe schützen vor den gefährlichsten, aber nicht vor allen krebserregenden HPV-Typen. Das gilt lebenslang und ist auch in vielen Jahren noch aktuell – ein Satz, den man sich als Elternteil heute schon merken kann.
Häufige Fragen
Mein Kind ist erst neun – ist das nicht viel zu früh?
Nein, und der frühe Zeitpunkt ist kein Zufall. Die Impfung wirkt vorbeugend und nicht heilend, sie muss also vor dem ersten Kontakt mit dem Virus gegeben werden. Dazu kommt, dass das Immunsystem zwischen 9 und 12 Jahren am besten reagiert: Der Schutz ist höher, hält länger, und es genügen zwei statt drei Teilimpfungen.
Wir haben den Schultermin verpasst – was jetzt?
Dann holen Sie die Impfung bei uns nach. Kostenfrei ist sie bis zum 21. Geburtstag, unabhängig davon, wo sie gegeben wird. Wurde bereits eine Teilimpfung verabreicht, muss die Serie nicht neu begonnen werden – wir setzen dort fort, wo aufgehört wurde.
Warum sollen auch Burschen geimpft werden?
Weil sie selbst betroffen sind. Bei Männern sind Karzinome im Rachenraum die häufigste HPV-bedingte Krebserkrankung, rund 70 Prozent dieser Tumoren sind mit HPV assoziiert, bei Analkarzinomen etwa 90 Prozent. Anders als bei Frauen gibt es für Männer keinen zugelassenen HPV-Test, eine Früherkennung entfällt also. Und jede Impfung unterbricht die Infektionskette und schützt damit auch spätere Partnerinnen und Partner.
Nützt die Impfung noch, wenn jemand schon sexuell aktiv ist?
Ja. Der Impfstoff deckt neun verschiedene HPV-Typen ab – es ist sehr unwahrscheinlich, dass jemand bereits mit allen in Kontakt war. Gegen die übrigen schützt die Impfung weiterhin. Was sie nicht kann: eine bestehende Infektion behandeln. Deshalb gilt weiterhin, je früher desto besser.
Wie lange hält der Schutz?
Für den Neunfach-Impfstoff ist eine Schutzdauer von bislang acht Jahren belegt, für den älteren Vierfach-Impfstoff wurde nach bis zu 14 Jahren noch volle Wirksamkeit nachgewiesen. Eine Auffrischung ist derzeit nicht vorgesehen.
Mein Kind wurde früher mit einem anderen HPV-Impfstoff geimpft – zählt das?
Ja, und der Schutz lässt sich erweitern. Wer mit einem Zweifach- oder Vierfach-Impfstoff geimpft wurde, kann zusätzlich eine vollständige, dem Alter entsprechende Serie mit dem Neunfach-Impfstoff bekommen. Innerhalb der Altersgrenzen des Kinderimpfprogramms ist auch das kostenfrei. Bringen Sie den Impfpass mit, dann sehen wir uns das gemeinsam an.
Einen Überblick über alle Impfungen im Kindes- und Jugendalter gibt die Seite Impfen – allgemeine Informationen. Alles zu unserem Impfangebot steht unter Leistungen. Wer bei uns Kinder und Jugendliche betreut, sehen Sie unter Kinderarzt.
Quellen
- Impfplan Österreich 2025/2026, Version 1.1 vom 10.10.2025 – Kapitel Humane Papillomaviren, Sozialministerium und Nationales Impfgremium
- Humane Papillomaviren (HPV) – impfen.gv.at, Sozialministerium
- HPV – Fragen und Antworten für Bürger:innen – impfen.gv.at, Sozialministerium
- Gebrauchsinformationen der Impfstoffe im kostenfreien Impfprogramm – Sozialministerium
Zuletzt aktualisiert: September 2026